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Predigten zu Johannes 1,47

"Jesus sah den Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in welchem kein Trug ist."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Jesus sah den Nathanael auf sich zukommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in welchem keine Falschheit ist!"

Es wird uns mitgeteilt, dass Nathanael ein Mann war, ein Israelit, in dem keine Falschheit war. Manche Leute sind von Natur aus schlangenartig, gewunden und schlüpfrig; sie können nicht anders denken als in krummen Linien. Sie können eine Sache nicht eindeutig sagen und einem nicht ins Gesicht sehen, während sie sprechen; denn sie sind voll stillschweigender Vorbehalte und Vorsichtsmassregeln. Sie bewachen ihre Rede; sie wagen nicht, ihre eigenen Gedanken in die Welt hineinzusenden, bevor sie dieselben nicht bis an den Hals in Doppelsinnigkeit eingehüllt haben. Nathanael war genau das Gegenteil. Er war kein Heuchler und kein listiger Betrüger. Er trug sein Herz offen zur Schau. Wenn er sprach, wusste man, dass er meinte, was er sagte, und sagte, was er meinte. Er war ein kindlicher Mann von einfachem Herzen, durchsichtig wie Glas. Er war aufrichtig bereit, der Kraft der Wahrheit nachzugehen. Er war willig, Zeugnis anzunehmen und sich durch Beweise leiten zu lassen. Er war nicht argwöhnisch, weil er selbst kein Mann war, gegen den man Argwohn hegen konnte. Er war redlich und gerade, schlicht im Handeln und schlicht im Sprechen. Dies scheint Philippus gewusst zu haben, denn er ging sofort zu ihm als zu einem Mann, der es wert war, für eine gute Sache gewonnen zu werden.

Er war nicht nur ein redlicher Mann, sondern auch ein suchender Mensch. Philippus ging zu ihm, weil er fühlte, dass ihn die gute Nachricht interessieren würde. "Wir haben den Messias gefunden" wäre keine frohe Botschaft für einen gewesen, der nicht nach dem Messias Ausschau gehalten hätte. Auch für dich besteht Hoffnung, lieber Leser, wenn du redlich wünschst, die Wahrheit zu erkennen, um dadurch errettet zu werden! Es ist gut, wenn du bereit bist, dich den Strahlen des göttlichen Lichtes auszusetzen; wenn du Belehrung darüber verlangst, ob es in der Tat einen Heiland gibt, ob ein Evangelium und eine Hoffnung für dich sind. Es ist gut, wenn du fest entschlossen bist, dich seinem Willen zu unterwerfen.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Als Jesus seine Jünger zu sich nahm, begann er, das zu tun, was ihm der Spruch des Johannes als seine Sendung beschrieben hat. Nun handelt er als das Lamm Gottes, das die sünde der Welt wegnimmt. Indem er seinen Jüngern seine Gemeinschaft schenkte, bedeckte er ihre Sünde und rechnete ihnen ihren Fall nicht an. Er handelte dabei nach dem Spruch des Psalmisten: „Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet, in des Geist kein Falsch ist“, Psalm 32,1+2. Auf die gerade Lauterkeit unseres Verhaltens, ohne die es für uns kein Vergeben und keine Gemeinschaft mit Jesus geben kann, wies Jesus damals hin, als Nathanael vor ihn trat. Denn dieser hatte sich kräftig gegen die Einladung gesträubt, die ihn zu Jesus berief. Es gefiel ihm durchaus nicht, dass Jesus ein Nazarener war. Das war jüdisch gedacht, menschlich gedacht, ein voreiliges Urteil ohne Einblick in Gottes Weg, die Äußerung einer stolzen Frömmigkeit, die wusste, wie der Christus kommen müsse, und zu bestimmen wagte, was Gott zu tun habe, damit sein Christus sichtbar und seine Verheißung erfüllt sei. Jüdisch und menschlich war dies gedacht, das heißt sündlich. Aber nicht die Sünde trennt von Jesus, sondern die Lüge, die Verstellung, die eigene Gerechtigkeit, die auch ihr Böses verteidigt und nicht an das Licht kommen mag. Nathanael kam, obwohl Jesus ein Nazarener war, dennoch zu ihm, nicht als Glaubender, sondern um zu prüfen, nicht ohne Vorurteil, doch mit dem Vorsatz, zu erkennen, wie es sich mit Jesus verhalte, den ihm Philippus als den Christus pries. Das war für Nathanael der gerade Weg; damit dachte er ehrlich und tat, wozu ihn seine Lage anleitete. Darum nennt ihn Jesus ohne Falsch und öffnet ihm seine Gemeinschaft nach dem Willen Gottes, den der Psalmist verkündet hat, dass dem die Sünde vergeben wird, in des Geist kein Falsch ist.

Krumme Wege führen nicht zu Dir, Herr Jesus. Mir Dir reden kann nur der, der vor Dir wahrhaftig wird. Darum bete ich, weil Du mich kennst mit dem allmächtigen Willen Gottes, und dafür danke ich Dir, dass Du den, der zu Dir kommt, nicht wegtreibst, sondern seine Sünde von ihm nimmst in der Macht, die Dir als Gottes Lamm gegeben ist. Amen.