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Predigten zu Johannes 20,19

"Als es nun Abend war an jenem Tage, dem ersten der Woche, und die Türen, wo die Jünger waren, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus und stand in der Mitte und spricht zu ihnen: Friede euch!"

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Am Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!"

Wahrlich, Herr Jesus, als Auferstandener lebst Du ewig Deinem großen Heute! Du bist uns in Deinem Heute noch derselbe Prophet, der uns den Vater offenbart. Du bist noch derselbe Heiland, der die Zöllner und Sünder, die Mühseligen und Beladenen um sich sammelt. Du bist uns noch derselbe Gesalbte, der in göttlicher Vollmacht unsere Krankheiten heilt, unsere Leiden stillt, unsere Tränen trocknet, unsere Sünden vergibt und unsere Gebrechen heilt. Du bist uns heute noch dasselbe Gotteslamm, das die Sünden des eigenen Freundeskreises, das spöttische Urteil pharisäischer Frömmigkeit, den Hohn und die Verwerfung einer Dir innerlich fremden Welt trägt. Du bist noch derselbe Gekreuzigte, vor dem man das Angesicht verbirgt, an dem die ganze Bosheit der Welt sich austobt und der in rettender Liebe dennoch fort und fort spricht: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" Dein Wirken ist im Laufe der Zweijahrtausende noch viel grösser geworden, daher bist Du selbst uns grösser! Deine Kraft ist gegenwärtig, daher bist Du uns zeitlich so viel näher gerückt. Zwischen uns und Dir steht keine zweitausendjährige Vergangenheit wie ein unüberbrückbarer Zeitraum. Du erfüllst Tag für Tag dein Versprechen: "Siehe, Ich bin bei euch!"

Wir sehen Dich in Deinem großen Heute innerhalb Deiner Gesamtkirche. Welch ein Baum ist aus dem kleinen Senfkorn geworden! Welch eine Werkstätte Deines Heiligen Geistes ist heute Deine Gemeinde mit ihren fast unübersehbaren Missionen, mit ihrer unzähligen Kleinarbeit, mit den Opfern ihrer hingebenden Liebe, mit ihrem selbstlosen Dienst am Nächsten, mit ihren verschiedenen Charismen zur Auferbauung und Vollendung der geschichtlichen Gesamtgemeinde. Bibliotheken würden sich mit Bänden füllen, wenn es möglich wäre, ihr ganzes Leben mit all seinen Verzweigungen dieser Werkstätte Deines Geistes zu schildern.

Und wie hat sich der Schauplatz Deines Wirkens und Dienens erweitert in unserem persönlichen Heute. Wie viel mehr Licht muss uns heute von Dir werden, weil die Welt um uns so viel verworrener und zerrissener geworden ist. Wie viel mehr Kraft brauchen wir in unserer Schwachheit, weil sich unser Dienst vermehrte und unsere Verantwortlichkeit vergrösserte. Wie viel mehr Gnade muss uns werden, damit wir uns in einer Welt bewähren, die uns in ihrer Unruhe und in ihrem Kampf wie ein Chaos umgibt. Wie viel mehr müssen wir von Dir hören, um auch unserer zerrissenen Zeit mit dem Evangelium zu antworten, in dem allein das Heil der Gegenwart und jeder neuen Zukunft liegt.


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Golgatha mit all seinen Schrecken lag hinter den Jüngern. Sie litten unter der Lücke, die ihr abwesender Meister zurückgelassen hatte, als Er ihnen durch ruchlose Hände entrissen wurde. Sein unerklärlicher Schrei: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» klang ihnen noch in den Ohren. Und trotz allem, was ihnen die Frauen und die Emmausjünger berichtet hatten, waren ihre Tränen noch nicht versiegt, ihr Unglaube noch nicht überwunden. Von außen Kämpfe, von innen Ängste, und an die Zukunft wagten sie gar nicht zu denken; denn in ihrer Herzenshärte konnten sie die Schriften noch nicht verstehen. Da trat plötzlich, obwohl die Türen geschlossen waren, der Herr Jesus mitten unter sie und sprach zu ihnen: «Friede sei mit euch!»

Das war die erste Botschaft des Auferstandenen für sie und ist es auch für uns! Wie können wir das Leben meistern und dem Namen, den wir tragen, Ehre machen, wenn unsere Herzen erfüllt sind von Bestürzung und Sorge, von Unruhe und Angst vor der Zukunft? So können wir ja nicht als Kinder des Lichts und als Zeugen der Auferstehung leben. Laßt uns also unserem Gott bekennen, wie es um uns steht! Wenn wir uns auch nicht mit den Aposteln vergleichen können, so sind wir ihnen doch sehr ähnlich in ihrer Schwierigkeit, nach der Auferstehung die ihnen zugedachten geistlichen Vorrechte zu erfassen.

Wir haben wie sie nahe bei dem Herrn gelebt und Seine Hilfe empfangen. Wir haben auch gesagt, wir hätten uns Ihm ganz hingegeben. Aber in Wirklichkeit leben wir so, als ob Er nicht wahrhaftig auferstanden wäre und als ob uns die Kraft der Auferstehung nicht zur Verfügung stünde. Und doch ist der Herr da und wartet, Er, der Auferstandene, bis wir uns helfen und befreien lassen.

Den Jüngern wurde dieser Frieden zuteil, als der Herr Jesus ihnen Seine Hände und Seine Seite zeigte. Friede kommt aus Seinen Wunden; er treibt uns in den Dienst und stärkt uns zum Dienst. So wollen wir uns von diesem göttlichen Frieden durchdringen lassen, damit er unser ganzes Wesen einhülle!


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Eigentlich hatte Jesus gar keine Veranlassung, zu Seinen Jüngern zu kommen. Sie hatten Ihn doch in Gethsemane schmählich im Stich gelassen. Ja, Petrus hatte Ihn dreimal ganz offen verleugnet.

Und wie ungehorsam waren sie! Ausdrücklich hatte Er Seinen Jüngern befohlen, sie sollten nach dem Norden des Landes, in die Einsamkeit von Galiläa, gehen. Dort sollten sie Ihn sehen. Und der Engel, der am Grabe den Weibern erschien, hatte diesen Befehl ausdrücklich wiederholt. Stattdessen saßen sie hier in Jerusalem. Und wie ungläubig waren sie! Wie oft hatte Jesus ihnen gesagt, dass des Menschen Sohn solches leiden müsse und dass Er am dritten Tage auferstehen werde. Und nun war Maria Magdalena zu ihnen gekommen und hatte ihnen ihre Begegnung mit dem Auferstandenen erzählt. Ja, Petrus und Johannes hatten selbst das leere Grab schon angesehen. Trotzdem sitzen sie hinter verschlossenen Türen. Und wie furchtsam waren sie! Statt auf ihren siegreichen Herrn zu vertrauen, dachten sie nur an die Gefahren, die ihnen drohten.

Man könnte es wahrhaftig verstehen, wenn der Herr Jesus diese ungetreue Jüngerschar ganz und gar hätte fallen lassen. Und nicht nur diese Jüngerschar, sondern auch uns; denn der Unglaube und die Menschenfurcht und der Ungehorsam sind ja bei uns genauso zu finden wie bei den Jüngern. Aber – wie treu ist Jesus! Er geht Seinen Jüngern nach. Er lässt sie nicht fallen. Er sucht sie immer und immer wieder auf. Er zerbricht das zerstoßene Rohr nicht und löscht den glimmenden Docht nicht aus.

Von Rechts wegen haben wir kein Anrecht an den Herrn der Herrlichkeit. Von Rechts wegen hätte unser Heiland uns längst verstoßen müssen. Aber es geht bei Ihm von Gnaden wegen. Was würde aus uns, wenn Jesus nicht so treu wäre! Gelobt sei der gute Hirte Seiner Schafe! Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Mit diesem Wort zeigt uns Jesus, was uns fehlt. Zur Zeit Luthers regierte in Deutschland ein mächtiger Kaiser, Karl V. Als er auf der Höhe seiner Macht war, legte er zur Verwunderung der Welt Krone und Hermelin ab und ging in das Kloster St. Just. Warum? Alle Macht und Herrlichkeit der Welt konnten ihm nicht geben, was sein Herz suchte: Frieden.

Es hat kaum einen Menschen gegeben, der so vom Glück begünstigt war wie der Geheimrat Goethe. Reichtum, Schönheit, Lust der Welt, Ruhm – alles fiel ihm zu. Und – es ist fast erschreckend zu lesen – dieser Mann dichtete: „Ach, ich bin des Treibens müde! / Was soll all der Schmerz und Lust? / Süßer Friede / Komm, ach komm in meine Brust!" – Er hatte alles – nur keinen Frieden. „Ach, ich bin des Treibens müde", sagte Goethe. Das werden wohl die wenigsten von uns sagen. Wir sind des Treibens noch nicht müde. Vor vielen von uns liegt das Leben noch mit seinen tausend Möglichkeiten, mit seinen Aufgaben, mit Lust und Leid.

Aber das müssen wir wissen: Und wenn wir das Höchste erreichten, – und wenn wir alle Lust der Welt an uns rissen, – und wenn unser Leben reich wäre und voll von Erlebnissen, – eins kann die Welt uns nie geben: den Frieden, nach dem unsere Seele hungert. Und darum kommt Der zu uns, der in Wahrheit uns grüßen kann: „Friede sei mit euch!" Er bringt den Frieden, „der höher ist als alle Vernunft". Möchten wir doch alle darin recht reich werden! Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Als für die Jünger die Not anfing, am Gründonnerstagabend, hat der Herr Jesus lange mit ihnen geredet, ehe sie nach Gethsemane gingen. Diese Abschiedsworte Jesu sollten alle angefochtenen Seelen lesen. Sie stehen Johannes 14 bis 16. Dort schon hat Jesus gesagt: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt."

Die Jünger fassten es wohl noch nicht recht an jenem Abend. Aber als der Sohn Gottes nach Seiner Auferstehung zu den Jüngern kommt, die aus Furcht hinter verschlossenen Türen sitzen, da bringt Er ihnen den Frieden als herrliche Frucht Seines Todes.

Es ist ein großer Unterschied zwischen Jesus und uns. Wir können einander auch manches Gute und Schöne wünschen. Wenn jemand krank ist, wünschen wir ihm auch „gute Besserung". Aber davon wird der Kranke nicht gesund. Wir haben keine Möglichkeit, unsere Wünsche für die andern in die Wirklichkeit umzusetzen, unsere Wünsche bleiben Schall und Rauch. Wir können sie nicht realisieren. Ganz anders ist es bei Jesus. „So er spricht, so geschieht's – so er gebeut, so steht's da", sagt die Bibel. Und wenn Er sagt: „Friede sei mit euch“, dann ist der Friede, nach dem unsere Seele hungert, mit uns.

So kann nur Einer, Jesus, uns das edelste Gut geben, den Frieden. Nur Jesus! Er allein! Wer das versteht und erfahren hat, der begreift den Radikalismus eines Liederdichters, der sagt: „Ach sagt mir nichts von Gold und Schätzen / von Pracht und Schönheit dieser Welt; / es kann mich ja kein Ding ergötzen / was mir die Welt vor Augen stellt. / Ein jeder liebe, was er will: / Ich liebe Jesus, der mein Ziel.“ Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Einen unbeschreiblichen Frieden bringt der Herr Jesus in Herz und Haus. Dass wir doch alle davon ein reichliches Teil bekämen! Aber dieser Friede ist nicht ein grundlosseliges Gefühl. O nein! Dieser Friede Jesu hat seinen Grund. Und er wird erfahren im Gewissen.

Das Seufzen und Wimmern: „Süßer Friede, komm, ach komm in meine Brust!" kann man in der Welt oft hören. Aber es ist im Grunde zwecklos. Damit kommt der Friede nicht. Jesus bringt ihn nur zu denen, die den Grund ihrer Friedlosigkeit sehen und sehen wollen: die Wirklichkeit der Sünde. Darum bleiben die allermeisten Menschen friedlose Leute, weil sie ihren verlorenen Zustand vor Gott nicht erkennen und wahrhaben wollen.

Der Friede, den Jesus bringt, hat einen tiefen Grund. Und dieser Grund heißt: Vergebung der Sünden. Weil der Friede Jesu aus der Vergebung der Sünden kommt, darum wird er im Gewissen erfahren. Wollen wir Vergebung? – Dann müssen wir sehen, wie Jesus in unserem Text sich zeigt: „Da zeigte er ihnen die Hände und seine Seite." Was zeigte denn Jesus da? Er zeigte Seine durchgrabenen Hände. Diese Hände haben die Handschrift zerrissen, die gegen uns war. Diese Hände haben unsere Sünde ans Kreuz getragen. Diese Hände wurden um unsertwillen durchbohrt. Es ist nicht von ungefähr, dass Jesus zweimal sagt: „Friede sei mit euch!" Und dass Er dazwischen Seine Nägelmahle zeigt. Der gekreuzigte Heiland der Sünder – der ist es, der den Frieden bringt. Der allein. Der aber wirklich. Gelobt sei Er! Amen.