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Predigten zu Lukas 17,20

"Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte;"

Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Wie der König unscheinbar und verachtet war in der Welt, so seine Jünger. Nicht durch äußern Glanz sollten sie sich geltend machen, das Reich Gottes sollte auch in ihnen in der Verborgenheit sein, unter dem gröbsten Rock, unter der unscheinbarsten Gestalt, unter der Bürde des Kreuzes, das sie ihm nachtrugen. Wer waren Jesu Jünger? Edle, Vornehme, Hofleute, Gelehrte? O, die Weisheit dieser Welt und ihr Glanz ist Torheit vor Gott, Ekel in seinen Augen. Nein, da waren Fischer, Handwerksleute, Zöllner, Sünder, Arme, Krüppel, Lahme, welche er gesund machte, dies waren seine Leute. Und was das Bedenkliche ist: Fraget seine rechtschaffenen Jünger, ob sie etwas von Verdienst, von besondern Taten, Kraft, Talent bei sich zu rühmen wissen, o sie bekennen alle, daß sie nichts sind, Kranke, die sich in ihres Königs Kur befinden, die nichts zu rühmen wissen, als eine Gnade, seine Treue. Und so geht also das Reich Gottes in den Tiefen der Herzen fort durch Demütigungen, durch mancherlei Elend. Das aber eben ist ein Hauptärgernis für den fleischlichen Sinn der Menschen, die immer lieber fliegen als kriechen möchten, obwohl das letztere unserer Natur viel angemessener ist. O, wären es edle, gewaltige, kluge Leute, wie man sie in der Welt haben muß, so würde man sich an den Reichsgenossen Christi nicht stoßen, aber so niedrig, oft so schwach, das ist dem hochmütigen Menschensinn zuwider. Und doch ist dies - recht betrachtet, eine Anzeige der Kraft des Reiches Christi. Dies bedenkt aber die Welt nicht. Wie - denkt der Vornehme - soll ich in ein Reich, in ein Bündnis und Brüderschaft mit dem gemeinen Pöbel treten? Wie, denkt der Gelehrte, soll ich mit meiner Wissenschaft ungebildete Leute als meine Brüder betrachten? Den Vornehmen sind sie zu gering, den Gelehrten zu ungelehrt, den Weltklugen zu einfältig, den Reichen zu arm, den guten Gesellschaftern zu melancholisch, kurz, wie der Apostel sagt, ein Ekel der Welt. Aber lasset uns hinausziehen, meine Brüder, und die Schmach des Heilandes tragen, so lange sie Schmach Christi ist. Ja ich will lieber, viel lieber Türhüter sein in meines Gottes Hause, als lange wohnen in der Gottlosen Hütten. Und wie werden die Stolzen einst erschrecken, wenn Christus der geringsten unter seinen Brüdern sich nicht schämen wird! Held und Haupt, du wähltest dir auch die Hülle; herrschen, glänzen war ja hier nicht dein Wille. Unter Leiden sah man dich auf deiner Heldenbahn stumm und stille. Wie der Held, so seine Schar hier auf Erden. Denn sie soll ihm ganz und gar ähnlich werden; als ein Rätsel jedermann folgen still auf seiner Bahn seine Herden.

Schwaches Volk, zum heiigen Streit auserlesen! Mutig, es ist nimmer weit zum Genesen. Deines Helden Ehrentag wird das Rätsel deiner Plag schnell auflösen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Es hat immer wieder Zeiten gegeben, wo die Menschen an der ganzen Welt verzweifelt sind. Solche Verzweiflung führt dann entweder zu einer gänzlichen Gleichgültigkeit gegen alles oder zu einem verzweifelten Kampf ums Dasein, wo alle gegen alle stehen. Israel zur Zeit Jesu war in einer solchen Lage, wo man an allem verzweifeln konnte: Da herrschten politische Ohnmacht, Armut, Parteienstreit, Not. Aber weil man in Israel die Bibel und die Verheißungen Gottes hatte, verzweifelte man nicht, sondern fragte: „Wann kommt das Reich Gottes?"

In den Versen vor unserm Text tritt ja die gefallene Welt und ihr Elend so recht in Erscheinung. Da wird berichtet, wie dem Herrn Jesus zehn Männer begegneten, die von dem schauerlichen Aussatz befallen waren; Männer, die man um ihrer Krankheit willen von Hof und Herd in's Elend gejagt hatte. Und der Heiland hat sich dieser Armut erbarmt. Er hat sie rein gemacht. Aber da zeigte sich das größte Elend dieser Leute: die Verhärtung der Herzen. Nur ein einziger war zurückgekehrt, um dem Herrn zu danken und Gott die Ehre zu geben. Wir verstehen, daß da bei ernsten Gemütern sofort die Frage auftauchte: „Wann kommt denn das Reich Gottes?" Wie sehnt sich das Herz aus aller Verwirrung und Not der Zeit nach der Offenbarung des Reiches Gottes! Und wie muß das Herz aufjauchzen, wenn es nun vom Heiland selbst die Antwort bekommt: „Das Reich ist da — in mir!" — „Welche auf ihn sehen, die werden erquickt." Amem


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: siehe hier oder da ist es. Denn sehet, das Reich Gottes ist unter euch.

Wie schwer wird es doch den Menschen, Gottesreich und Weltreich von einander zu unterscheiden! Ihr irdischer Sinn vermischt beides immer wieder und hält dadurch das Kommen des Reiches Gottes auf. Mein Reich ist nicht von dieser Welt, spricht der Herr zu Pilatus, und den Pharisäern sagt er auf ihre Frage: wann kommt das Reich Gottes, d. h. wann werden die Römer zum Lande hinausgejagt? Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden, mit äußerer auffallender Art, wie etwa die Entstehung eines Weltreiches. Die jetzige Haushaltung Gottes ist eine Glaubenshaushaltung; wer nicht im Glauben wandeln will, sieht nichts vom Reich Gottes. Es beginnt in den Herzen. Der Herr sagt zu Nikodemus: „Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährt; also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Diesen aus dem Geist Geborenen spricht der Herr das Himmelreich zu. In den Herzen, in welchen Gott durch seinen Geist wieder zum Regiment kommt, in welchen nicht irdischer Sinn, nicht die Lüste des Fleisches, nicht des Menschen Eigenwille, sondern Gott regiert, unter den der Mensch sich beugt mit seinem Willen, ist das Reich Gottes. Diese innere Veränderung ist etwas Stilles, Geheimnisvolles, das die Pharisäer nicht verstanden, weil ihr hochmütiges Herz verschlossen war gegen Jesum. In dieser Zeit geht diese Reichsarbeit vor sich in den Menschenherzen, hier in einem und dort in einem, so dass der Herr Reichsbürger wirbt und zubereitet, ohne sie jetzt schon unter ein sichtbares Regiment zu bringen. Es kommt aber die Zeit, da der Herr seine Auserwählten sammeln wird, Matth. 24,31, um in Wirklichkeit Sein Reich aufzurichten. Darauf warten wir. Wenn der Heiland den Pharisäern sagte: Das Reich Gottes ist unter euch, so weist er auf sich hin; es war unter ihnen in Ihm, weil Er völlig unter dem Vater stand. Werden wir Ihm völlig untertan; dann sind wir Reichsgenossen.

Dein Reich komme. So hast Du Herr uns bitten gelehrt, und so betet Deine ganze Gemeinde. Komme Du in viele Herzen mit Deinem Geiste. Lass die Botschaft von Deinem Reich überall erschallen, damit Du, der König bald kommen könnest. Amen


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden

Jetzt ist dies Königreich noch in Geheimnis gehüllt; es ist dem menschlichen Auge verborgen, weil der König selbst sich aus unserem Gesichtskreis zurückgezogen hat. Die Kreatur wartet mit ängstlichem Harren auf seine Offenbarung. Er muss sich zuerst offenbaren, ehe wir mit Ihm offenbar werden können in der Herrlichkeit. Indessen ist das Reich ein innerliches, das sich der menschlichen Aufmerksamkeit nicht aufdrängt, dagegen die Herzen durchdringt. Wir wollen uns dessen erinnern:

1. Wenn wir den langsamen Fortschritt des Christentums in der Welt beklagen

Es scheint oft in demselben Maße zurückzugehen, als es vorschreitet; was in einem Land gewonnen wird, geht im anderen verloren. Während die heidnischen Völker Jesum aufnehmen, entfernen sich nicht die Massen des Volkes in christlichen Landen immer mehr von Ihm? Halt, das lässt sich nicht beurteilen, und darüber zu rechten, wäre nutzlos! Es mag viel mehr Gutes im Stillen geschehen, als du wissen kannst. Für jeden kühnen Bekenner gibt es wahrscheinlich sieben Tausend, die ihre Knie niemals vor Baal gebeugt haben.

2. Wenn wir unsere Erfolge und Zahlen zu schätzen versucht werden

Sind unsere Kirchen gedrängt voll; nimmt die Zahl der Abendmahlsgenossen stetig zu; werden die Opferbüchsen reichlich bedacht – so sind wir geneigt anzunehmen, dass die Sache Jesu wirklich in unserer Mitte gefördert werde. Es mag sein; aber zuweilen, wenn die Zahlen niedrig sind, und es der Schwierigkeiten viele gibt, mag der Erfolg viel nachhaltiger sein.

3. Wenn wir unser eigenes, scheinbar langsames Wachstum in der Gnade beklagen

Du empfindest nicht so lief, wie du möchtest, und du fürchtest vielleicht deshalb, dass du entschieden im göttlichen Leben rückwärts gehest, dass du weniger Frucht bringest als ehedem. Stille – die tiefste Arbeit tritt oft am wenigsten zu Tage.