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Predigten zu Philipper 2,12

"Daher, meine Geliebten, gleichwie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein als in meiner Gegenwart, sondern jetzt vielmehr in meiner Abwesenheit, bewirket eure eigene Seligkeit mit Furcht und Zittern;"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Vollendet eure Rettung mit Furcht und Zittern."

In der Sonntagschule fragte man einen Jungen, ob sein Vater ein Christ sei. "Ja", antwortete der Kleine, "aber er strengt sich nicht besonders an."

Das muss man leider von manchem Christen sagen, denn viele haben den Namen, dass sie leben, und sind tot. Und bei vielen anderen ist die Liebe erkaltet. Sie bekennen sich zum Christentum, aber sie leben nicht darin. Wenn aber irgendeine Berufung tatkräftiges Handeln erfordert und ohne Fleiß und Eifer nicht zu verwirklichen ist, dann ist es die Berufung als Christ. Ein Faulpelz erstrebt nichts und hat nichts, was auch sein Beruf sein mag. Was kann aber der erwarten, der sich Christ nennt und doch nicht von Christus als seinem Lehrer lernt, der ihm nicht als seinem Herrn gehorcht, ihm nicht als seinem König dient?

Wir können natürlich die Seligkeit nicht durch unseren Ernst und Eifer erwerben, aber wer diese Tugenden nicht hat, darf sich wohl fragen, ob er überhaupt ein Christ ist. Wer meint, er genüge seiner Christenpflicht, wenn er jeden Sonntag in die Kirche geht; wer weder Zeit noch Geld für das Werk des Herrn daheim und in der Heidenwelt übrig hat; wer keine Hausandacht hält, niemals ein Zeugnis für seinen Herrn ablegt, nicht für die Verlorenen betet, von dem gilt auch, was jener Knabe sagt: "Er strengt sich nicht an." Vielleicht fühlt er, dass mit seinem Christentum wirklich nicht viel anzufangen ist.

Jemand sagte einmal: "Meine Religion kostet mich keine Mark jährlich." Ein Freund antwortete ihm: "Sie ist auch keine Mark wert."

Unser Herr zeigt uns das Christenleben nicht als ein Leben süsser Ruhe, sondern als Krieg und Kampf.


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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"Gerettet, lasst uns unsere Rettung schaffen! Schafft eure Seligkeit mit Furcht und Zittern!"

Wenn wir eine Bekehrung erlebt haben und zur Heilsgewissheit durchgedrungen sind, so sind wir darum noch lange nicht am Ziel. Ob wir einst gerettet in die himmlische Gottesstadt einziehen dürfen, ist damit noch nicht gesagt. Viele sind berufen, wenige sind auserwählt. Es kommen viele und mancherlei Proben und große Versuchungen. Werden wir standhalten und treu bleiben? Nur dann, wenn wir niemals die Hände in den Schoss legen. Es scheint ein Widerspruch, dass Gerettete ihre Rettung schaffen sollen. Die Philipper, an die diese Aufforderung ergeht, waren doch schon gerettet worden. Die Rettung ist zunächst ein unverdientes Gnadengeschenk. "Aus Gnade seid ihr gerettet worden, Gottes Gabe ist es." Aber die Gabe wird sofort zur Aufgabe. Die Riesenschuld wird aus reinem Erbarmen erlassen. Aber nun erwartet Gott, dass wir vergeben, wie er uns vergeben hat, und sein Erbarmen erwidern mit Erbarmen gegen solche, die sich an uns verfehlt haben. Sind wir unversöhnlich, so fällt die Schuld mit ihrer ganzen Wucht auf unser Haupt zurück. Oder wenn ein begnadigtes Gotteskind sein Herz vor der Not des Bruders verschließt und dem Geiste Gottes widerstrebt, der ihm nahelegt: "Hilf, denn du hast die Mittel", so weicht die Liebe Gottes von dem Hartherzigen (1. Joh. 3. 17). Und dann wird's Nacht in der Seele. Denn von Gott geliebt sein, ist der Himmel im Herzen. Ja, die Finsternis ist noch grösser als zuvor. "Wenn jemand dem Unflat der Welt entflohen war, nachdem ihm das selige Licht der Erkenntnis Jesu aufgegangen ist, und lässt sich wieder darein verflechten, so ist das Letzte ärger als das Erste." Es gibt Bekehrte, die auf der empfangenen Gnade ausruhen, anstatt alles aufzubieten, dass sie die Gnade festhalten und mehren. Man merkt an ihnen nichts von der heiligen Sorge eines Paulus, der sich mit allem Ernst gegen die Sünde wehrte, damit er nicht schließlich verworfen werde und um seine Krone komme (1. Kor. 9, 27). Sie sind satt und fertig, lau und lässig. So gehen sie innerlich zurück. Sorge um das Irdische, Trachten nach Geld und Wohlleben ersticken das Glaubensleben. Oder sie fallen von der Zeugenschar ab, weil sie keinen Spott und keine Verfolgung um Jesu willen tragen wollen. - Die Israeliten waren aus Ägypten gerettet; aber die meisten blieben infolge von Murren, Ungehorsam und Unzucht in der Wüste liegen und kamen nicht ans Ziel. - Lots Frau war gerettet und kam doch um, weil sie im Ungehorsam stehenblieb und hinter sich sah. Sie konnte sich von ihren Habseligkeiten nicht trennen. - Darum schafft eure Seligkeit mit Furcht und Zittern! Es steht alles auf dem Spiel. Dem eigenen Herzen ist nicht zu trauen. Es ist trügerisch und unzuverlässig. Wenn wir uns auf seine Stimme und seine Stimmungen verlassen, gehen wir gründlich fehl. Nur wenn wir im Glauben beharren - oder was das gleiche ist, im Glauben überwinden - werden wir das Ziel des Glaubens, die Rettung unserer Seele, davontragen.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Viele werden bald, nachdem sie Vergebung der Sünden erlangt haben, lau, leichtsinnig, vergessen das Wachen und Beten. Dazu trägt viel bei die Meinung, daß sie, wenn sie diese ersten Gnadenbezeugungen des Heilandes erfahren haben, sich alsobald für ausgemachte Leute und Christen ansehen. Sie werden wieder sicher; sie verwickeln sich wieder in die Elemente des Weltgeistes; sie spielen mit der Sünde, sie haben ja Gnade; es hat ja im ganzen seine Richtigkeit bei ihnen; so haben also, wie sie meinen, kleinere Übertretungen nichts zu sagen. So werden sie nach und nach wieder gefangen unter die Sünde, verlieren auch den Genuß der Gnade, und endlich sind sie imstande, es zu einer Lehre zu machen, daß ein Christ ein Knecht der Sünde bleiben müsse. Das gibt, wenn es gut geht, ein sieches, kränkelndes, kraftloses Christentum, das zwar einigermaßen aussieht wie Christentum, aber nichts weniger ist als ein rechtschaffenes Wesen in Christo Jesu. -Andere verirren sich auf einen andern Abweg. Sie können sich nicht darein finden, daß, nachdem sich ihnen der Heiland so herrlich in seiner Gnade geoffenbart habe, die alte sündliche Natur sich immerwährend noch in ihnen regen soll.

Das treibt sie wieder in das Gesetz zurück. Sie wollen durch eigenes Wollen und Wirken, durch selbst gefaßte Anläufe und allerhand Erfindungen dem Übelstande abhelfen. Dadurch entfernen sie sich aus der Gemeinschaft des Todes Jesu und geraten in eigene Wege. Auch haben sie etwa aus der Zeit, wo sie den Frieden Gottes zuerst suchten, allerhand gesetzliche Vorstellungen und Bilder in ihren Gnadenstand mit herübergenommen. Diese alten, aus dem Gesetze und der Vernunft kommenden Bilder erheben sich wieder in der Seele und drängen sie aus dem Gnadenstande hinaus. So wird man wieder elend, saftund kraftlos, meint, man sei ernstlicher als unter dem sanften Regiment der Gnade, und steht doch nicht wahrhaftig in der Gemeinschaft des Sohnes Gottes. Von diesem Abwege zeugt der ganze Brief an die Galater. - Selig die Seele, die an sich erfährt, was der selige Luther von Gott gerühmt hat, indem er spricht: »Der mir täglich und reichlich meine Sünde vergibt!« Hierin liegt das ganze Geheimnis der Heiligung. Der Herr führe uns alle auf den schmalen Weg um seines Namens willen. Amen.

O Gott des Friedens heiige mir den Geist samt Leib und Seele, daß mir der Eingang einst zu dir und deiner Ruhe nicht fehle, daß Jesus Christus mich alsdann untadelig erfinden kann, wann er, der Herr wird kommen.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Beides muss ich haben, sowohl das Wollen als auch das Vollbringen, und beides kann ich mir selbst nicht geben. Beides ist Gottes Werk in mir. Was wäre mein Wollen, wenn es vom Vollbringen geschieden bliebe und sich nicht im Wirken vollendete? Das Gute wollen, aber nicht vollbringen nannte Paulus mit gutem Grund einen geplagten, mühsamen Stand, von dem wir erlöst werden müssen. Aus Gottes Hand empfangen wir nicht gute Gesinnung, die nichts hervorbringt, weil sie bloß Gesinnung sein will, nicht einen guten Willen, der beständig scheitert, wenn er handeln soll, sondern Wollen und Vollbringen ist Gottes Gabe. Ebenso deutlich ist aber, dass uns mit dem Vollbringen allein nicht geholfen wäre. Ein Wirken, in dem keine Liebe und keine Seele steckt, ein Dienst, den wir uns gegen unseren Willen abzwingen, ist ebenso sehr ein Jammer als das bloße Wünschen und Wollen, das nicht handeln kann.

Wie unnütz und unfruchtbar bleibt auch emsiges Wirken, wenn es im erzwungenen Gottesdienst stecken bleibt, den wir nur deshalb, weil wir müssen, ableisten! Vollends wenn wir an das Ziel denken, von dem Paulus redet, daran, dass wir unsere Seligkeit zu wirken und unsere Rettung zu gewinnen haben, die uns von Gericht, Schuld und Strafe befreit, wie sollten wir zu diesem Ziel gelangen ohne ein Wollen, das zum Vollbringen wird, und ohne ein Vollbringen, das aus unserem gesammelten, ernsten Wollen erwächst? Beides, sagt mir Paulus, brauchst du und beides gibt dir Gott. Er bewegt dich von innen her im Grund deines Lebens und er bereitet dir auch die Gelegenheit, die du zum Handeln brauchst. Die innere und die äußere Seite deines Lebens steht unter seiner Leitung und seine Gnade ist die von außen und von innen dich führende Macht. Nun wolle und wirke. Wozu gibt mir Gott das Wollen? Eben dazu, dass ich will. Wozu bereitet er mir das Wirken? Dazu, damit ich handle und arbeite und das Werk vollende, das mir zugewiesen ist. Wirke aber, sagt mir Paulus, mit Furcht und Zittern, eben deshalb, weil Gott es ist, der dir das Wollen und Vollbringen schenkt. Was von Gott gegeben wird, muss mit Sorgfalt erfasst und bewahrt werden. Ich darf das nicht verschleudern und verderben, was er mir gibt. Von Gott geschenktes Wollen darf ich nicht durch meinen Widerwillen entkräften und von Gott mir bereitetes Wirken verpflichtet mich zur ernst erwogenen und sorgsam vollzogenen Tat. Weil aber die Furcht an dem entsteht, was Gott mir gibt, bleibt sie mit dem Glauben eins.

Wie könnte ich übermütig und eigenwillig werden, da ich, heiliger Gott, unter dein Wohlgefallen gestellt bin? Damit geschehe, was Dein Wohlgefallen beschlossen hat, handelst Du an uns nach deiner Gnade und führt du uns mit starker Hand durch alles hindurch, was uns als Gefahr umringt. Gib mir, dass ich bewahre, was Du mir gibst, und dorthin gehe, wohin Du mich rufst. Amen.