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Predigten zu Psalm 15,1

"{Ein Psalm; von David.} Jehova, wer wird in deinem Zelte weilen? Wer wird wohnen auf deinem heiligen Berge?"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Der erste Vers stellt die Fragen, und die anderen Verse beantworten sie. O Heiliger und Erhabener, wem ist Gemeinschaft mit Dir gestattet? Die Himmel sind in Deinen Augen nicht rein, und Deinen Engeln legst Du Irrtum zur Last. Wer von den Sterblichen kann dann bei Dir wohnen, Du schrecklich verzehrendes Feuer? Ein Bewusstsein von der Herrlichkeit des HERRN und von der Heiligkeit, die Seinem Haus, Seinem Dienst und Seinen Dienern geziemt, erschreckt das demütige Herz, so dass es sich diese ernsten Fragen stellt. Wenn schon Engel ihre verhüllten Angesichter neigen, wie könnte da ein Mensch überhaupt Gott wohlgefällig anbeten? Der große Haufen der Gedankenlosen hält es für eine einfache Sache, vor dem Allerhöchsten zu erscheinen, und wenn sie sich äußerlich damit beschäftigen, befragen sie ihre Herzen nicht, ob diese dazu in der Lage sind. Wahrhaft gedemütigte Seelen allerdings schrecken oft im Gefühl der Unwürdigkeit zurück und wagen es nicht, vor dem Thron des Gottes der Heiligkeit zu erscheinen, wenn es nicht unseren Herrn gäbe, unseren Anwalt, der im himmlischen Tempel sein darf, weil Seine Gerechtigkeit ewig währt. Die Frage wird gestellt, weil es wirklich eine Frage ist. Die Fragen in dem Text sind an den Herrn gerichtet, weil niemand als nur der Unendliche Geist sie so beantworten kann, dass ein beunruhigtes Gewissen zufrieden gestellt ist. Wir müssen von dem Herrn des Heiligtums erfahren, was zu Seinem Dienst qualifiziert, und wenn Er uns belehrt hat, begreifen wir deutlich, dass nur unser fleckenreiner Herr Jesus jemals wohlgefällig vor der Majestät in der Höhe stehen darf – und alle, die in Sein Bild verändert wurden. Als Antwort auf unsere Frage unterrichtet uns der Herr durch Seinen Heiligen Geist über das Wesen des Menschen, der allein auf Seinem heiligen Berg wohnen darf. In Vollkommenheit ist diese Heiligkeit nur in dem Mann der Schmerzen zu finden, doch hat sie der Heilige Geist in gewissem Maße in Seiner ganzen Gemeinde bewirkt. Glaube und Gaben des Geistes werden nicht erwähnt, weil hier der äußerliche Charakter beschrieben wird, und wo Frucht zu finden ist, braucht man die Wurzel nicht zu sehen, obwohl sie ganz sicher vorhanden ist. Alle, die sich rühmen, dass ein anderer, nämlich der Herr Jesus, alles für sie tut, und die darum Gesetzlichkeit hassen, sind die besten Täter des Gesetzes, jedoch nach den Grundregeln des Evangeliums.

Wie der Herr Jesus, der eine ewige Herrschaft innehat, wird auch der wahre Christ niemals seine Krone verlieren. Er wird nicht nur in Zion sein, sondern wie Zion, sicher und fest. Er wird im Heiligtum des Höchsten wohnen, und weder Tod noch Gericht werden ihn aus der Stellung der Vorrechte und der Segnungen zu rücken vermögen.


Autor: William MacDonald (* 07.01.1917; † 25.12.2007) US-amerikanischer Prediger der Brüdergemeinden
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"Herr, wer darf in deinem Zelt weilen ? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg?."

In Psalm 15 beschreibt David eine Person, die qualifiziert ist, Gemeinschaft mit dem großen Gott zu haben. Einer der Charakterzüge dieses Mannes ist, dass er zu seinem Wort steht, auch wenn es ihn persönlich viel kostet. Wenn er ein Versprechen oder eine Zusage gibt, dann hält er beides um jeden Preis ein. Da ist zum Beispiel ein Christ, der sein Haus verkauft. Ein Käufer kommt vorbei und ist bereit, den geforderten Preis zu bezahlen. Der Verkäufer stimmt dem Handel zu. Bevor aber die Papiere unterzeichnet sind, bietet jemand anders 10.000,- DM mehr für das Haus. Der Verkäufer kann nun vielleicht juristisch das erste Angebot fallenlassen und so 10.000 Mark mehr bei dem Handel verdienen. Aber moralisch ist er seinem gesprochenen Wort verpflichtet. Sein Zeugnis als vertrauenswürdiger Christ steht auf dem Spiel. Oder ein Gläubiger hat einen entzündeten Weisheitszahn. Sein Zahnarzt verweist ihn an einen Kiefernchirurgen, der den Zahn mit einem Antibiotikum behandelt und dann einen Termin für das Ziehen ausmacht. Nachdem der Christ dem Chirurgen Zeugnis gegeben hat, verlässt er die Praxis. Auf dem Weg nach Hause trifft er einen Bekannten, der ihm eine Adresse gibt, wo er sich den Zahn zum halben Preis ziehen lassen kann. Natürlich könnte er den Chirurgen für den bereits geleisteten Teil der Behandlung bezahlen und dann zu dem anderen gehen. Aber sollte er das wirklich? Susanne hat gerade einer Einladung zum Abendessen bei einem älteren Ehepaar zugesagt. Dann klingelt das Telefon, und sie wird zum Fondue bei einer Gruppe von jungen Leuten eingeladen. Sie steckt nun in einer richtigen Zwickmühle. Einerseits will sie das ältere Ehepaar nicht enttäuschen, andererseits möchte sie unbedingt mit ihren Altersgenossen zusammen sein. Die Entscheidung ist oft am schwierigsten, wenn es um große Geldsummen geht. Aber kein Geldbetrag, wie hoch auch immer, sollte uns dazu verführen, ein Versprechen zu brechen, eine Zusage zurückzunehmen, und dadurch unser Zeugnis als Christen zu diskreditieren und den Namen des Herrn zu verunehren. Egal was es kostet, wir müssen unbedingt Voltaires zynische Bemerkung widerlegen: "Wenn es um Geld geht, haben alle Menschen die gleiche Religion." Der Mensch Gottes "tut immer, was er verspricht, gleichgültig, wieviel es ihn kostet" ; er "hält sein Versprechen, selbst wenn es ihn ruiniert" .


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Weil es ein Heiligtum bei uns Menschen gibt, müssen wir uns besinnen: Wer hat dort Zutritt? Was gibt mir das Recht, dass ich dorthin gehen kann? So war es in Israel, als das Zelt Gottes bei ihm war. Wer in das Zelt hineingelassen wird, ist verborgen; das Gastrecht schützt ihn und gewährt ihm Anteil am Tisch des Gastfreundes. Als an die Stelle der „Hütte“ der „heilige Berg“ trat mit dem von seinen Mauern umgebenen Gotteshaus, stellte es vor alle Glieder der Gemeinde die Frage: Für wen öffnen sich die Tore? Für wen gibt es eine Stätte an dem für Gott geheiligten Ort? Hätten wir bei uns kein Heiligtum mehr, so wäre diese Frage für uns erledigt. Aber der alte Tempel ist nicht dazu abgebrochen worden, dass es keinen Tempel mehr gebe. Brecht den Tempel ab, sagte Jesus; ich werde ihn neu bauen. Er ist unser Tempel, weil wir bei ihm in Gottes Gegenwart stehen. Darum ist die Frage des Psalms auch unsere Frage, und je herrlicher das Heiligtum und je größer die Gnade ist, die wir dort finden, desto tiefer bewegt uns die Frage: Wer darf auf deinem heiligen Berg bleiben? Und umso seliger ist die Antwort, die uns sagt, dass es einen Zugang zum Heiligtum gibt und eine ebene Bahn uns dorthin führt, die für alle gangbar ist. Wandle redlich, sagt der Psalmist; tue, was gerecht ist, und rede die Wahrheit, indem dein Wort das sagt, was in deinem Herzen ist. Verstellung, Unrecht und Lüge machen dich unwürdig zum Eintritt in das Heiligtum; denn du findest dort den, der die Gerechtigkeit lieb hat und die Wahrheit beschirmt. Ruft nicht Jesus die Sünder? O ja; so war es auch im alten Heiligtum, wo das Feuer des Altars auch für die brannte, die sich versündigt hatten, und ihr Opfer empfing, damit ihnen die Vergebung gewährt werde. Ebenso ist uns Christus dazu gegeben, damit wir die Vergebung empfangen. Die Vergebung macht aber dem Unrechttun ein Ende und führt aus dem Schein und der Lüge heraus in die Wahrheit hinein. An die Redlichkeit unseres Willens ist das Bleiben auf Gottes heiligem Berg gebunden. Wem dieser Wille Gottes nicht gefällt, für den gibt es kein Heiligtum.

Zu Dir rufst Du uns, herrlicher und heiliger Gott, und bereitest uns ein Heiligtum, in dem wir bei Dir sind. Mache Deinen Ruf in uns kräftig, dass er unredliches Wesen und lügenden Schein von uns treibe, damit wir im hochzeitlichen Kleid als Deine festliche Schar in Lauterkeit und Wahrheit Dir dienen. Amen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

HErr, wer wird wohnen in deiner Hütte? Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge?

Der Psalmist gab sich nicht damit zufrieden, im Vorhofe, außerhalb der heiligen Hütte, stehen zu dürfen; ihn verlangte, da hinein zu gehen, wohin der Hohepriester ging, und dort zu wohnen. Das war damals unmöglich; der Eingang in das Allerheiligste war noch verschlossen. Kein gewöhnlicher Israelite durfte das Innere des Vorhangs betreten; auch der Hohepriester, der einmal im Jahre hinein durfte, blieb nur einige Augenblicke dort.

Wie wunderbar bevorzugt sind nun wir in dieser Beziehung! Wir haben den offenen Zugang zum Heiligtum, durch das Blut Jesu, und durch seine hohepriesterliche Vermittlung dürfen wir unser ganzes Leben zubringen im Bewusstsein der Nähe und der Liebe unsers Gottes. Wie die Knechte Salomos dürfen wir vor dem Könige stehen und seinen Worten lauschen, die uns heißen, entweder seine Botengänge tun, oder die Flügel unsers Geistes falten vor Ihm, in tiefer Anbetung.

Ist dies vielleicht nicht deine Erfahrung? Dann besiehe sorgfältig die Bedingungen, die unser Psalm aufzählt. Vielleicht bist du nicht durchsichtig wahr; oder deine Zunge wird nicht vorsichtiglich gehütet; oder du bist nicht durchaus ehrlich in deiner Geschäftsführung; oder du kennst nicht die Kraft des Blutes Christi, das uns reinigt von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott.

Dieses Wohnen in dem Allerheiligsten ist jeden Opfers wert. Bitte, dass es dir zur zweiten Natur werde. Der Herr Jesus wird es dir möglich machen, denn Er ist unser Mittler geworden. Wenn irgend etwas im inneren Leben uns unrichtig und mangelhaft erscheint, so dürfen wir uns mit vollkommenem Zutrauen zu unserem Hohenpriester wenden, Ihn bitten, es zurecht zu bringen, uns in die Gegenwart Gottes zu führen und dort zu erhalten.