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Predigten zu Römer 12,16

"Seid gleichgesinnt gegeneinander; sinnet nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst."

Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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EIN HERZ FÜR DIE NIEDRIGEN HABEN

In der Gemeinde gibt es keine Aristokratie, da ist kein Platz für eine kirchliche Elite, die alle Aufmerksamkeit verdient. Die Bibel lehrt jedoch nicht, dass du nichts mit reichen oder einflussreichen Leuten zu tun haben sollst. Du darfst es jedoch nicht versäumen, dich um die niedrigen Menschen zu kümmern, weil sie es in der Regel nötiger haben, dass man ihnen dient. Der Herr Jesus Christus veranschaulichte diese Wahrheit treffend: „Wenn du ein Mittag- oder ein Abendessen machst, so lade nicht deine Freunde ein, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn, damit nicht etwa auch sie dich wieder einladen und dir Vergeltung zuteil werde.

Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde ein! Und glückselig wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten; denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten“ (Lk 14,12-14).

Es ist nicht falsch, Freunde und Verwandte zu dir nach Hause zum Essen einzuladen, aber es ist falsch, wenn du es aus eigennützigen Motiven tust, mit der Absicht, selbst einen Gewinn daraus zu schlagen, und ohne Rücksicht auf die, die es dir nie vergelten könnten.


Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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DEMUT SOLLTE REGIEREN

Eingebildete und selbstsüchtige Christen stellen einen gewaltigen Widerspruch dar. Wer Christus nachfolgt, muss sich dem Willen Gottes, wie er in der Schrift offenbart ist, unterordnen. Jegliches Vertrauen in dich selbst, deine Weisheit und deine natürlichen Fähigkeiten müssen den Geboten Gottes untergeordnet werden.

Du solltest auf gar keinen Fall eingebildet sein oder meinen, du seist etwas Besseres als deine Mitchristen. Gott möchte vielmehr, dass du jedes Glied am Leib Christi akzeptierst und wertschätzt: „Ein jeder nicht auf das Seinige sehend, sondern ein jeder auch auf das der anderen“ (Phil 2,4).


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Demut adelt

"Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen!"

Der geistliche Hochmut ist ein gefährlicher Feind. Ein Gotteskind ist vor vielen bevorzugt. Aber es soll sich darum nicht für vorzüglicher halten. Von Natur ist ein wiedergeborener Mensch um kein Haar besser. Er hat dasselbe verderbte, zu allem Bösen fähige Herz wie die anderen. Erleuchtete Gotteskinder empfinden ihre Abscheulichkeiten tiefer, je weiter sie fortschreiten in der Heiligung. "Ein Scheusal bin ich ohne dich", heißt es in einem Lied. Dieses starke Wort unterschreibt jeder, dem der Geist Gottes sein Inneres gründlich aufgedeckt hat. Wahre Christen stechen hervor in ihrem Leben und Wandel. Aber sie wollen nie etwas Hervorstechendes sein. Sie haben etwas Besonderes, wollen aber nichts Besonderes vorstellen. Sie sind ein geadeltes Geschlecht. Aber sie halten sich herunter zu den Niedrigen, verschwinden gern in der Menge der Kleinen und wenig Beachteten. Sie sind heilig. Aber sie prunken nicht mit ihrer Heiligkeit, sondern rühmen sich am liebsten ihrer Schwachheit. Es geht Glanz von ihnen aus. Aber sie wollen nicht glänzen. Ungeheuchelte Demut ist der schönste Schmuck eines Gotteskindes. Wo sie fehlt, sind alle anderen Tugenden nichts als glänzende Laster. Denn heimliche Selbstbespiegelung und Selbstüberhebung ist vor Gott ein Greuel. Auch stösst der geistliche Hochmut die Welt mit Recht ab. Unter Weltmenschen ist ein großer Unterschied. Die einen sind böswillig und verlästern alles, was göttlich ist. Die anderen sind für Besserung empfänglich. Wo ihnen aufrichtige und wahrhaft demütige Christen begegnen, fühlen sie sich angezogen, gewinnen Vertrauen, schließen sich auf und an. Aber leider werden sie oft abgestossen durch ein liebloses, hochmütiges Wesen derer, die sich wahre Christen nennen. Paulus schreibt an die Galater: "Seid wie ich, denn ich bin wie ihr." Denkt nicht, dass ich von Natur besser bin als ihr! Was ich bin, bin ich nur durch die Gnade des Herrn. Dasselbe könnt auch ihr werden, wenn ihr den Heiland ergreift und euch von ihm bilden lasst. Lasst uns nie anderen ein Übergewicht zu fühlen geben! Wir wollen uns auch nicht weigern, der Sündenbock zu sein, auf den alle Schuld geschoben wird. Wir wollen bereit sein, den untersten Platz einzunehmen und zu den Allergeringsten, ja Schlechtesten gerechnet zu werden. Wir wollen, wie Luther sagt, den Füßen gleichen, die das Ganze tragen und zum Lohn dafür mit Kot bespritzt werden. Hüten wir uns vor allem Schein der Demut! Wahre Demut fürchtet sich nicht vor dem Verdacht des Hochmuts. Lasst uns demütig sein vor Gott, der das Herz durchforscht! Nur keine heuchlerische Demut, die nichts anderes ist als versteckter Hochmut!


Autor: William MacDonald (* 07.01.1917; † 25.12.2007) US-amerikanischer Prediger der Brüdergemeinden
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"Sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen."

Unsere natürliche Neigung geht dahin, mit der sogenannten besseren Gesellschaft freundschaftlich verkehren zu wollen. In jedem menschlichen Herzen steckt der Wunsch, sich mit denen, die berühmt, wohlhabend oder adelig sind, eng vertraut zu machen. So steht also der Rat des Paulus in Römer 12,16 unserer eigentlichen Natur entgegen. Er sagt: "Seid nicht stolz, sondern immer bereit, euch mit einfachen und unbedeutenden Leuten zusammenzutun." In der Gemeinde Gottes gibt es eben kein Kastenwesen. Christen sollten Klassenunterschiede ignorieren. Von Fred Elliot wird dazu eine bezeichnende Begebenheit erzählt. Eines Morgens, als er und seine Familie eben eine Andacht am Frühstückstisch hielten, hörte er lautes Geklapper und Gerumpel vor dem Haus. Es war die Müllabfuhr, die draußen vorbeikam. Elliot legte seine aufgeschlagene Bibel auf den Tisch, ging zum Fenster, machte es auf und rief dem Müllmann einen fröhlichen Gruss zu. Dann kehrte er zurück und beendete die Andacht. Für ihn war es genauso heilig und wichtig, dem Müllmann einen guten Morgen zu wünschen wie in der Bibel zu lesen. Ein anderer Diener des Herrn, der unseren Text ganz wörtlich nahm war Jack Wyrtzen. Er leitete jeden Sommer in Schroon Lake im Staat New York eine Bibel-Freizeit. Bei einer der Konferenzen für Erwachsene war ein Gast dabei, der körperlich schwer behindert war. Da er seine Gesichtsmuskeln nicht gut unter Kontrolle hatte, konnte er auch sein Essen nur mit großen Schwierigkeiten schlucken. Vieles davon fiel ihm wieder aus dem Mund und bekleckerte das Zeitungspapier, das er sich vorsorglich über die Brust und auf den Schoss gelegt hatte. Ein solcher Anblick war für die anderen nicht gerade appetitlich, und deshalb sass dieser Mann gewöhnlich allein an einem besonderen Tisch. Wegen seiner vielen Aufgaben kam Jack Wyrtzen oft zu spät in den Esssaal. Immer, wenn er in der Tür erschien, winkten ihn die Leute aufgeregt zu sich heran und wollten gern, dass er sich an ihren Tisch setzte. Aber das tat er nie. Er ging immer zu dem Tisch, an dem der behinderte Mann allein sass. Auch er hielt sich zu den Niedrigen. Choice Gleanings erzählt etwas Ähnliches: "Ein christlicher General wurde einmal dabei beobachtet, wie er sich mit einer sehr armen alten Frau unterhielt. Später machten ihm einige Freunde Vorhaltungen und sagten: 'Du solltest doch immerhin an deine hohe Stellung denken! ' Doch der General erwiderte nur: 'Was wäre wohl geschehen, wenn mein Herr nur an seine hohe Stellung gedacht hätte?'" In seinem Gedicht "Trotz alledem" erinnert Robert Burns daran, dass, auch wenn jemand nur eine geringe Position im Leben einnimmt, er trotz alledem ein Mensch bleibt. Und er sagt, dass einer, der unabhängig denkt, nur lachen kann über die große Schau in Flitter und Seide, die die Narren veranstalten. Wenn wir darüber nachdenken, wie weit sich unser Heiland erniedrigt hat, um mit uns zu leben, dann ist es undenkbar, dass wir es mit anderen nicht genauso machen sollten.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Woher rührt das Vertrauen auf eigene Einsicht, diese Einbildung vom eigenen Wissen, diese eigengerechte Selbstklugheit, dieses etwas im Menschen, das sich erhebt und nur sich die rechte Einsicht, nur sich die rechte Weisheit zuschreibt? Das ist nicht von Gott, sondern vom Teufel, der zu Eva sprach: »Wenn ihr von den Früchten des Baumes esset, so werdet ihr sein wie Gott,« ihr werdet eine Erkenntnis haben wie die göttliche ist. Sehet, das war der Fallstrick; so weise wie Gott, ja noch weiser will das menschliche Herz sein; daher kommt das Murren über die Wege Gottes, daher das Meistern seiner Veranstaltungen; daher kommt es, daß die Scherbe, der Ton zu seinem Töpfer spricht: Warum machest du mich also? Das ist der Vernunftstolz, von dem in der heiligen Schrift sich manche Beispiele finden, wie wir z.B. in der Geschichte der Kinder Israel lesen. Als sie an der Grenze von Kanaan standen, wollten sie Kundschafter in das Land schicken. Der Herr sprach: Schicket keine Kundschafter hinein. Nein, hieß es bei ihnen, wir schicken hinein, und sie taten es auch. Sie wußten's viel besser als der Herr; sie waren viel klüger, viel weiser als er. Als nun aber die Kundschafter schlimme Nachrichten aus dem Lande Kanaan mitbrachten, da murrte das Volk und weinte und sprach: »Ach, wären wir nur in Ägypten geblieben!« So wußten sie es wieder viel besser als der Herr; er hätte sie sollen in Ägypten lassen, seine Weisheit mußte sich meistern lassen von ihnen. Nachher wollten sie hinaufziehen auf das Gebirge gegen die Amalekiter. Moses sprach: »Ziehet nicht hinauf, denn der Herr ist nicht unter euch.« Nein, hieß es, wir ziehen hinauf; sie zogen in der Tat hinauf, und wurden geschla- gen. Alles wollten sie besser wissen als der Herr. Es war die Frucht ihres Vernunftstolzes, den sie freilich hart büßen mußten.

Befördre dein Erkenntnis in mir, mein Seelenhort, und öffne mein Verständnis durch dein lebendig Wort, damit ich an dich glaube und in der Wahrheit bleibe und wachse fort und fort.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Was ist denn aber nun unter einem niedrigen, gebeugten Sinn zu verstehen? Es ist dies nicht eine geistliche Niederträchtigkeit, wie viele meinen, die keinen geistlichen Verstand haben, da man sich schlechter machen will, als man selbst zu sein glaubt, da man vor Gott und Menschen ein gewisses niederträchtiges, gleisnerisches Wesen annimmt, in welchem keine Wahrheit ist. Ach nein, im Gegenteil, ein Christ hat bei aller Beugung und Armut des Geistes im Glauben einen königlichen, gegen Satan, Welt und Sünde trotzigen Geist, nicht einen Trotz und Hochmut, wie ihn die Kinder dieser Welt in ihrer Torheit ausüben, sondern einen getrosten Mut im Glauben an den allmächtigen Herrn, nicht im Vertrauen auf sich selber, sondern auf den Arm und die Kraft und den Geist und das Blut dessen, vor welchem alle Widersacher sind wie Spreu, die der Wind zerstreut, und wie Stoppeln, die das Feuer verzehrt, und der gesagt hat: »In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.« Dieser niedrige, gebeugte Sinn ist also kein heuchlerisches, unwahres, gemodeltes, formiertes Wesen; er ist auch nicht das, was die Welt Höflichkeit und Bescheidenheit nennt, worunter oft der größte Hochmut verborgen liegt, obgleich diese äußern Tugenden bisweilen Demut genannt werden von denen, welche keine geistlichen Augen haben: Dieser Sinn besteht vielmehr darin, daß Gott dem Menschen in die Tiefe des Herzens durch seinen Geist kleine Gedanken von sich selber, wahrhaft bußfertige Gedanken schenkt, so daß man die Menge und Größe seiner Verschuldungen kennt und empfindet, auch sich seines verdorbenen Herzenszustandes, seiner von der Sünde gänzlich vergifteten und verunreinigten adamischen Natur bewußt ist, ohne darum zu verzagen, sondern als ein ganz armer, von allem Guten entblößter Mensch nur auf die Gnade, auf das ewige Erbarmen Gottes, auf das Opfer, das einmal dargebracht ist, baut, und auf diesem als auf dem einzigen Grunde unserer Seligkeit gläubig und vertrauensvoll niedersinkt. Dies ist im allgemeinen der Zustand eines Menschen, von dem man mit Wahrheit sagen kann: Er hat einen niedrigen, gebeugten Sinn. Reiß mein Herz von allen Dingen, die die Welt für scheinbar hält; hilf mir mich in Demut schwingen über diese stolze Welt! In der tiefsten Niedrigkeit mach mich dir zum Dienst bereit, daß ich dir im Geist anhange und sonst weiter nichts verlange.

Nimm die Decke von den Augen; mach mich vom Gefängnis los; hier kann kein Gesetz was taugen, Gnade nur macht frei und groß. Laß Herr deine stille Pracht, deiner Gottheit selge Macht mir noch hier, obschon im Dunkeln, dennoch hell im Herzen funkeln!