Buch-Rezension: Christ und Politik - 50 Antworten auf Fragen und kritische Einwände

Christ und Politik

Autor:

Mit dem Bändchen „Christ und Politik“ versucht das Autorenteam auf Fragen und Einwände zum Engagement von Christen in der Politik einzugehen. Neben Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, dem Rektor des Martin Bucer Seminars in Bonn, sind es Lic. Stephan Derron, Daniel Suter und Nationalrat Markus Wäfler, die sich den Fragen stellen. Da Suter, Derron und Wäfler aktiv in der Eidgenössischen-Demokratischen Union (EDU) ihr politisches Zuhause haben, sind die Fragen oft aus schweizerischem Hintergrund beantwortet. Das bedeutet aber nicht, dass das Bändchen zu den bundesdeutschen Verhältnissen nichts zu sagen hätte. Vielmehr gehen die Autoren grundsätzliche Fragen an, die sie aus geistlicher und gleichzeitig politisch verantwortlicher Sicht beantworten.

Probleme und Fragen wie: „Politik im Neuen Testament“; „Politik oder Gemeindebau?“, „Sind Politik und Christsein vereinbar?“ oder auch „Politik in der Endzeit“ werden besprochen. Die Autoren vertreten die Überzeugung, dass wir Christen auch einen politischen Auftrag haben. Unter anderem aus dem Gedanken der Nächstenliebe (S.35) und dem „Lehrauftrag Christi“, der „alle Lebensbereiche“ umfasst (S.37), nehmen sie den Auftrag für politisches Handeln von Christen.

So vertreten sie die These „Die persönliche Umkehr zu Gott ist der Ausgangspunkt einer Erneuerung, die auch in der Politik wirksam wird“ (S. 31). Im Blick auf die Schwierigkeiten eines eindeutigen öffentlichen Votums in der Endzeit sagen sie „Eine vom Untergang bedrohte Gesellschaft hat das Recht auf christliche Politiker, welche die Lehre von Jesus Christus mit Wort und Tat bezeugen.“ Gerade im Blick auf Recht und Ordnung (S.53) oder soziale Fragen (S.54) sehen sie die Notwendigkeit von Politikern, die feste ethische Grundlagen haben (S.50). Die These „Soziale Gerechtigkeit misst sich daran, wie es den Schwachen im Lande geht“ (S.57) gibt einen deutlichen Schwerpunkt christlicher Sozialpolitik wieder. Sicher haben die Autoren recht, wenn sie sagen: „Frühere Generationen waren den christlichen Werten nicht darum geneigter, weil man früher frömmer war, sondern weil Christen früherer Generationen in der Politik für biblische Werte gekämpft haben“ (S.65). Sicher wird nicht jeder Christ die Forderung „Jede Gemeinde sollte ein bis zwei Personen in die Politik aussenden“ (S.72) mittragen können und wollen, aber aufgrund des NT sollten wir die biblisch fundierte letzte These „Das Gebet für die Politik darf in keiner Gemeinde fehlen“ (S.73) ernst nehmen (1Tim 2,2).

Die im Interviewstil aufgebaute Broschüre gibt hilfreiche Anregungen für Menschen, die sich fragen ob und wie sie öffentliche Verantwortung wahrnehmen können. Ob politisches Engagement in der deutschen Demokratie mit seiner Parteienstruktur, der 5% Klausel bei den Wahlen und dem starken Einfluss des Zeitgeistes auf die Parteien, zu erkennbaren Ergebnissen führt, ist allerdings unklar. Hier sind die bundesdeutschen Verhältnisse zu verschieden von den übersichtlichen Strukturen in der kleinen und in Kantone gegliederten Schweiz.

 Die Rezension/Kritik stammt von: Rainer Wagner
 Kategorie: Sonstiges

    Verlag: Verlag für Kultur und Wissenschaft
    Jahr: 2005
    ISBN: 3-938116-08-0
    Seiten: 74
    Preis: 5,90 Euro

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