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Predigten zu 2. Mose 20,16

"Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten. -"

Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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SEI WAHRHAFTIG

Ein Christ sollte nie irgendeine Art von Lüge erzählen. Die bekannteste Form von Lüge ist, einfach etwas Unwahres zu sagen. Es gibt aber auch andere Arten wie z.B. Übertreibung. Ich hörte einmal eine Geschichte von einem Christen, der ein wirklich deutliches Zeugnis hatte, doch eines Tages hörte er auf, es weiterzusagen. Als man ihn nach dem Grund fragte, antwortete er, dass er es im Laufe der Zeit derart ausgeschmückt hätte, dass er selbst nicht mehr wisse, was wahr ist und was nicht.

Schummeln in der Schule, im Geschäft, bei der Arbeit oder bei den Steuern sind ebenso Arten von Lüge. Dasselbe gilt für Vertrauensbruch, Schmeichelei, faule Ausreden und Schweigen, wenn man die Wahrheit sagen müsste. Das Leben als Christ bietet keinen Raum für Lügen. Wir müssen die Wahrheit reden.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!"

Dies ist das Gebot, das fast kein Mensch beachtet, und um dessentwillen man stets in Verlegenheit darüber ist, so reden zu können, dass seine Wichtigkeit begreiflich werde. Das fünfte, sechste und siebente Gebot haben den Vorteil, dass Verbrechen gegen sie von der weltlichen Obrigkeit und beinahe von allen Menschen bestraft und abgelehnt werden. Was aber bedeutet es schon, nur das kleine Glied, die Zunge, zu bewegen, und sei es auch nur zur Herabsetzung des Nächsten? Wer die Schlösser anderer aufbricht und Geld herausnimmt und dafür mit Gefängnis bestraft wird, oder wer Menschenblut vergiesst und danach u. U. auf einem Richtplatz hingerichtet wird, den kann man für einen großen Verbrecher halten. Wer aber nur in einer vertraulichen Unterredung seine Zunge bewegt, ob er dadurch auch seinem Nächsten das stiehlt, was ihm viel kostbarer als Geld, ja, oft kostbarer als das Leben war - seinen guten Namen, seinen guten Ruf - der wird nicht für einen großen Verbrecher gehalten der wird nicht ins Gefängnis geworfen oder sonstwie bestraft. "O, es waren doch nur einige Worte, nur ein leichter Wind, der über die Zunge strich." So heißt es dann. In der Heiligen Schrift aber heißt es anders. Wenn ein Dieb und ein Verleumder miteinander verglichen werden, dann heißt es so: "Sei nicht ein Ohrenbläser und verleumde nicht mit der Zunge. Ein Dieb ist ein schändlich Ding, aber ein Verleumder ist viel schändlicher." Und abermals: "Ein Dieb ist nicht so böse wie ein Mensch, der zu lügen sich gewöhnt; aber zuletzt kommen sie beide an den Galgen."

Zur Betrachtung dieses Gebotes wollen wir nun sehen, was der Herr wollte, als Er befahl: "Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!" Wir sehen hier die göttliche Besorgnis für die Menschen. Als Er im ersten Gebot der zweiten Tafel einen allgemeinen Grund der heilsamen Ordnung unter den Menschen auf Erden gelegt hatte, waren es besonders vier kostbare Schätze, die der gütige Vater dem Menschen sichern wollte: Zuerst das leibliche Leben, dann die Heiligung der Ehe, ferner unser irdisches Eigentum und jetzt schließlich unseren guten Namen und unseren guten Ruf, der uns gewöhnlich kostbarer als irdisches Gut, ja, kostbarer als das Leben selbst ist. Aber ebenso teuer wie dir dein guter Name ist, für den du nicht die geringste Kränkung duldest, ebenso teuer wird auch einem anderen seine Ehre und sein Ansehen sein. Darum ist dies Gebot ebenso ernstlich zu dir wie zu einem anderen geredet, so dass hier wie in den anderen Geboten ein jeder ins Auge gefasst und niemand von der bindenden Kraft des Gebotes ausgenommen ist. Wer du auch bist, du musst es auf dich beziehen: "Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!" Denn unser Herr will so ernstlich, dass der Ruf, die Ehre und die Rechtschaffenheit unseres Nächsten ebensowenig wie sein Gut und Geld verscherzt und verkleinert werden sollen, auf dass jedermann dem Gemahl, den Kindern, Hausleuten und Nachbarn gegenüber seine Ehre behalte. Das muss ein jeder bedenken.

Dieses Gebot enthält zunächst, dass du es nicht nur vor dem Richterstuhl, sondern auch in deinem Umgang mit Menschen aufs ernstlichste genau nimmst mit deinen Worten und Andeutungen über den Nächsten, und dass du nie unnötig zu unvorteilhaften Gedanken über ihn Anlass gibst. Ferner sollst du allem falschen und lügenhaften Wesen aus dem Wege gehen und dich in deinem Umgang aufs strengste der reinen Wahrheit befleißigen.

Gegen dieses Gebot wird also zunächst vor dem Richterstuhl gesündigt, wenn jemand seinen Nächsten fälschlich anklagt, oder wenn der Angeklagte mit lügenhaften Ausflüchten die Wahrheit zu verheimlichen sucht, oder wenn ein Zeuge etwas Falsches, etwas zuviel oder etwas zuwenig in der Sache sagt, oder wenn ein Anwalt mit Wissen und Willen eine falsche Behauptung verficht oder wenn der Richter wissentlich ein falsches Urteil fällt.

Aber auch außerhalb des Richterstuhles, im täglichen Leben, findet dies statt, wenn man aus Unbedachtsamkeit oder aus Bosheit seinem Nächsten falschen Leumund macht, entweder dadurch, dass man falsche Berichte über ihn erdichtet oder auch nachschwätzt und verbreitet, oder wenn man mit blossem Stillschweigen oder bedenklicher Miene und einem Achselzucken etwas Böses über ihn andeutet, was man entweder nicht mit Gewissheit weiss oder auch gemäss dem Gebot der Liebe anzudeuten nicht verpflichtet war. Solches kann zuweilen überaus fein und unbemerkt schon dadurch geschehen, dass man seinen Worten oder Handlungen eine gewisse Wendung gibt, wodurch die Auffassung falsch wird, - ja, so fein und unbemerkt kann es geschehen, dass nur der allsehende Gott es merken kann. Das heißt "seinen Nächsten fälschlich belügen und über ihn afterreden".

Bedenken wir daneben, wie der Herr Christus uns das Gesetz erklärt hat, nämlich, dass wir unseren Nächsten so lieben sollen wie uns selbst und gegen andere nur das tun, was wir wollen, dass sie gegen uns tun sollen, so erkennen wir die Wahrheit der Erklärung Luthers über dieses Gebot. Wir sollen Gott so lieben und fürchten, dass wir nicht nur unseren Nächsten nicht fälschlich belügen und ihm bösen Leumund zufügen, sondern ihn auch nicht verraten und über ihn afterreden. Wir sollen im Gegenteil "ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren".

Lass Wahrheit, Herr, in meinen Worten sein, Leg' Wahrheit in mein Wesen stets hinein, Dass Deines Geistes Kraft man bei mir merk, Bewahr mich vor der Sünde heimlich Werk.


Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten."

Wenngleich in diesem Gebot zunächst an falsche Zeugenaussage gedacht ist, so bezieht es sich doch auf das ganze Gebiet des Redens über den Nächsten. Welch ein großes, unheimliches Gebiet das ist, weiss ein jedes von uns wohl. Man hat gesagt, das Afterreden sei das große Übel der Frommen. Dass es da mehr vorkommt als anderswo, glaube ich zwar nicht. Eins aber weiss ich: es sollte aus den Kreisen der Jünger Jesu ganz verbannt sein.

Rede von niemand Böses! sollte nicht nur als Mahnung an der Wand hängen, sondern unser fester Entschluss, unsere göttliche Lebensregel sein. - Wenn du etwas von deinem Nächsten erzählen willst, sagt Einer, so frage dich: 1. Ist es ganz wahr? 2. Kommt es aus der Liebe? 3. Nützt es etwas, es zu sagen? In den allermeisten Fällen wirst du, wenn du ehrlich bist, hernach schweigen. Das Reden wider den Nächsten hat schon unendlich viel Schaden gebracht, sowohl dem Betreffenden selbst, als auch dem Redenden und denen, die es hörten. Der abgeschossene Pfeil kann nicht aufgehalten, der ausgestreute Same nicht wieder zusammengelesen, das verleumderische Wort nicht unausgesprochen gemacht werden. Darum schweige deine Zunge, dass sie nichts Böses rede.

O Herr, bewahre Du selbst das Tor meiner Lippen, dass ich nicht sündige wider Dich. Hilf mir, alles Afterreden völlig abzulegen in Deiner Kraft!


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Hier ist die Rede von deinem und deines Nächsten gutem Namen; den sollst du soviel möglich dir selbst und auch ihm suchen und bewahren, kraft des achten Gebots. Was dich selbst betrifft, so sagt Sirach: Siehe zu, daß du einen guten Namen behaltest, der bleibet gewisser denn tausend große Schätze Goldes. Ein Leben sei wie gut es wolle, aber ein guter Name bleibet ewiglich. Was den Nächsten anbetrifft, sollst du ihn nicht nur nicht fälschlich belügen, verraten, verleumden oder bösen Leumund machen, sondern sollst ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren. Hier mußt du aber die Worte des Katechismus recht verstehen. Ein anderes ist, die Heimlichkeiten des Nächsten oder seine verborgenen Umstände, Ratschläge, Fehler, an deren Offenbarung niemand gelegen und die gleichwohl dem Nächsten schädlich sein würde, verraten und ihm dadurch bösen Leumund machen, dieses wäre sündlich und wider die Liebe des Nächsten gehandelt. Ein anderes aber ist die notwendige Offenbarung der Wahrheit, da, wenn ich sonderlich vor der Obrigkeit darüber gefragt werde, wenn meine Verschwiegenheit dem gemeinen Wesen schädlich oder einem andern meiner Nebenmenschen nachteilig oder dem, von welchem die Frage ist, zu seinem noch größern Seelenverderben gereichen würde, ich nicht nur ohne Anstand und ohne zu sündigen solches entdekken darf, sondern auch kraft meines Gewissens ohne Ansehen der Person es zu tun schuldig bin. So war Mordechai kein Verräter, als er dem König Ahasveros den Anschlag der beiden Kämmerer offenbarte, Est 2,21, und Jonatan sündigte nicht, da er dem David die mörde- rischen Gedanken seines eigenen Vaters Saul entdeckte, damit er beizeiten entrinnen könnte. - Überall also und in allem nur die Wahrheit. Denn Gott ist ein Gott der Wahrheit und bringt die Lügner um. Der Herr hat Greuel an den Blutgierigen und Falschen. Der Teufel aber ist ein Vater der Lügen. Schlägt dich nun dein Gewissen über einer Falschheit deines Gemüts, deiner Worte oder Werke, so nimm es ja nicht gering auf. Die sechs Stücke hasset der Herr, und am siebenten hat er ein Greuel: hochmütige Augen, falsche Zungen, Hände, die unschuldig Blut vergießen; Füße, die behend sind, Schaden zu tun; falscher Zeuge, der freche Lügen redet und der Hader zwischen Brüder anrichtet (Sprüche 6,16-19). Dagegen Aufrichtigkeit, Herr, liebet deine Seele; o gib, daß ich die Wahrheit mir erwähle! Aufrichtig hast den Menschen du gemacht nach deinem Bild, damit du ihn bedacht. Aufrichtigkeit hat Jesus uns erworben, als er für Lügner an dem Kreuz gestorben. O würden wir zu seiner Ähnlichkeit vor seinem heiigen Kreuzesbild erneut!

Aufrichtigkeit wird in der Büß erzeiget, wenn Reu und Leid uns erst in Staub gebeuget. Dann kommt die Gnade, die uns wieder hebt und unsre Schuld in Christi Tod begräbt.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Wem wird das Herz nicht schwer, wenn sein Gewissen dies Wort Jesu hört: „Ich sage euch, dass die Menschen müssen Rechenschaft geben am Jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben" (Matthäus 12, 36). Vor wie vielen unserer „Nächsten" werden wir beschämt dastehen, wenn alle unsere Worte ins Licht gezogen werden! Der Erweckungsprediger Engels in Nümbrecht hat einmal in sein Tagebuch geschrieben: „Ich will mich zu jedem meiner Mitmenschen so verhalten, dass ich mich vor ihm nicht schämen muss, wenn ich ihm in der Ewigkeit begegne." Ein guter Vorsatz! Wenn er doch über unserem Leben gestanden hätte!

Wenn wir uns schon vor Menschen schämen müssen, – wie müssen wir erst verstummen vor dem heiligen Gott, der alle unsere Worte hört! Sein Gebot greift tief in unser Privatleben hinein. „Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten!" Das Reden über den Nächsten ist ja doch in der Tat ein Stück unseres Lebens. Ist es oft nicht so, dass wir unsere gesunkene Selbstachtung nur dadurch retten, dass wir dem andern „einen bösen Leumund machen"?

„Du sollst nicht!" sagt Gott. Was soll ich denn nicht? Wir sollen nicht aus unserem boshaften Herzen heraus den anderen sehen, beurteilen und über ihn reden. Wir sollen wissen, dass Gott über der Ehre des anderen wacht. – Nicht aus der Bosheit, sondern aus der Liebe sollen wir den anderen sehen, „Alles zum Besten kehren", das ist doch eine schöne Aufgabe für Jünger Jesu! Amen.