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Predigten zu Johannes 1,14

"Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater), voller Gnade und Wahrheit;"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."

Gläubige Seele, du kannst Zeugnis geben, dass Christus der eingeborne Sohn vom Vater ist, wie auch der Erstgeborne von den Toten. Du kannst sagen: "Er ist in meinen Augen göttlich, und wenn Er sonst für alle Welt nur Mensch wäre. Er hat für mich vollbracht, was kein andrer tun kann außer Gott. Er hat meinen unbeugsamen Willen gebrochen, mein diamantenhartes Herz geschmolzen, Er hat eherne Tore gesprengt, und eiserne Fesseln zerrissen. Er hat mein Weinen in Lachen verwandelt und meine stumme Verzweiflung in laute Freude; Er hat mein Gefängnis gefangen geführt und mein Herz erfüllt mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. Mögen andre von Ihm denken, was sie wollen, mir ist Er der Eingeborne vom Vater, und muss es bleiben: hochgelobet sei sein Name. Und Er ist voller Gnade. Ach! wenn Er nicht gewesen wäre, so wäre ich nie selig geworden. Er zog mich zu sich, wenn ich mich losringen wollte von seiner Gnade; und als ich endlich ganz zitternd, wie ein verurteilter Verbrecher zu seinem Gnadenstuhl kam, sprach Er: deine vielen und großen Sünden sind dir alle vergeben; sei getrost! - Und Er ist auch voller Wahrheit. Alle seine Verheißungen sind Ja und Amen gewesen, und es hat auch nicht an einem gefehlet. Ich bekenne, dass nie ein Knecht einen solchen Meister hatte, wie ich einen habe; nie hat ein Bruder einen solchen treuen Freund gehabt, wie Er sich gegen mich erzeigte; nie hat eine Braut einen so herrlichen Bräutigam gehabt, wie Christus es für meine Seele war; nie je ein Sünder einen gütigern Heiland, nie je ein Betrübter einen kräftigern Tröster, als Christus es meinem Geiste gewesen ist. Ich will nur Ihn, nur Ihn! Im Leben ist Er mein Leben, und im Tode ist Er meines Todes Tod; in Armut ist Christus mein Reichtum; in Krankheit mein Ruhekissen; in Dunkelheit mein heller Stern und in der Herrlichkeit meine Sonne; Er ist das Manna im Lager der Wüste, und Er ist das neue Korn im Lande Kanaan. Der Herr Jesus ist mir ganz Gnade und kein Gericht, ganz Wahrheit und kein Trug: von Gnade und Wahrheit ist Er erfüllt, ganz und gar erfüllt." O meine Seele, erhebe an diesem Abend aus aller Macht den eingebornen Sohn.


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Das Glaubensauge für Jesu Herrlichkeit

"Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."

Jesus besitzt Gottesherrlichkeit. Durch ihn wird dem Menschen Gnade zuteil. Gnade aber kann nur Gott spenden. Es ist etwas Großes, dass Gott Welten ins Dasein gerufen hat durch sein allmächtiges Wort. Aber noch etwas viel Grösseres ist es, dass er so tief gefallene Geschöpfe wiederaufrichtet, zurechtbringt, begnadigt. Göttliches Vorrecht ist es, Wunder zu tun. Aber das größte Wunder ist die Gnade der Sündenvergebung und Erneuerung des Menschenherzens. Hoch und niedrig, arm und reich, alle sind auf Gnade angewiesen. Und diese Gnade wird uns zuteil durch den eingeborenen Sohn vom Vater. - Wie die Gnade, so ist auch die Wahrheit eine göttliche Eigenschaft. Wahrheit ist Treue, unbedingte Zuverlässigkeit. Gott ist ein Fels. Auf ihn kann man sich unbedingt verlassen und so auch auf Jesus, den eingeborenen Sohn. Auch er heißt "Treu und Wahrhaftig". Er ist der "Amen". Er täuscht nie. Alle Menschen sind Lügner, d.h. man kann sich auf keinen unbedingt verlassen. Aber mit dem Herrn Jesus ist man nie betrogen. Er hält, was er verspricht. Noch keiner hat sagen können, dass er an ihm zuschanden geworden ist. Alle, die ihn kennen, müssen bezeugen: Alles, was ich von ihm gehört habe, ist wahr. Es erfüllt sich. Vertraut man sich Menschen als Führern an, ist man leicht verführt und wird in den Sumpf geleitet und bleibt elend darin stecken. Der Herr Jesus aber hebt uns heraus aus dem Sumpf, in dem wir verschmachten müssten. Er ist voll Gnade und Wahrheit. - Die Hauptsache ist, dass wir mit Johannes ausrufen dürfen: Wir sahen seine Herrlichkeit. Von Natur sind wir alle blind für Gottes Herrlichkeit. Der Glanz und die Herrlichkeit der sichtbaren Welt blenden unser Auge. Wir sind ganz versunken und trunken von der Weltherrlichkeit. Wenn die Herrlichkeit des Sohnes Gottes uns vor Augen treten soll, müssen die Welt und ihr Glanz zuerst in den Schatten treten. Der bunte Flitter muss seinen Reiz verlieren. Vor allem hindert auch die Selbstherrlichkeit, dass man die Herrlichkeit Jesu erblickt. Es steht vor dem Menschen sein eigenes Bild so schön und entzückend. Er ist verliebt in sich, eingenommen und überzeugt von sich. Erst wenn wir die Hässlichkeit unseres eigenen Wesens erkennen, kann uns die Herrlichkeit des Sohnes Gottes aufgehen. Er leuchtet nun auf dem dunklen Untergrund unseres eigenen bösen und verderbten Wesens. Solange sich der Mensch noch selbst gefällt, kann ihn der Heiland nicht entzücken. Der selige Pastor Engels bekannte - es war die letzte schriftliche Äußerung - : "Ich gefalle mir nicht! " Andern hat er gefallen, die ihm nahestanden und ihn Jahr und Tag beobachteten. Sie sahen in ihm das Bild Jesu in seltener Klarheit und Schönheit ausgeprägt. Er selbst gefiel sich nicht. Nur solche können mit Johannes ausrufen: Wir sahen seine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit.


Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater voller Gnade und Wahrheit."

Was bedeutet im biblischen Sprachgebrauch der Begriff Offenbarung? Sie war zu allen Zeiten der Heilsgeschichte nie etwas Geringeres als freiwillige Selbstmitteilung Gottes. Gott enthüllte je und je zum Heile der Einzelnen und der Menschheit, was Er ist, wie Er liebt, zu welch einer Geistes- und Lebensgemeinschaft Er uns erlösen will, wie Er uns zu Erben seines Königreiches und zu Jüngern seines Gesalbten berufen hat.

Aber alle Gottesoffenbarung musste Fleisch werden, um von uns erkannt, vernommen und verstanden zu werden. Der Geist musste im Erleben der Propheten, im Zeugnis der Apostel, in der Person unseres Herrn und Heilandes erst zu einem Fleisch gewordenen Wort werden, um zu uns reden zu können. Eine absolute Gottesoffenbarung gibt es mithin nicht. Sie ist nur Gott allein. Wir haben nur eine durchs Erleben empfangene und durch das Zeugnis erleuchteter Menschen der Welt weitergegebene Offenbarung. Kein Prophet und Apostel war je fähig, Gott in seiner ganzen Majestät und in der Fülle seines Heils zu fassen. Wäre das möglich, so wäre solch ein Mensch Gott. Nur Jesus als Sohn konnte uns mithin die Fülle der Gottesherrlichkeit enthüllen und uns von derselben so viel mitteilen, als wir zu unserem Heil durch den Glauben zu empfangen vermögen.

Wenn die Schrift nun so viel von der Gottesherrlichkeit spricht, so ist der Begriff immer Ausdruck der Welt, der Königsherrschaft, der Geistesaktivität Gottes. In dem Begriff Herrlichkeit liegen die ganze Grösse seiner Gottesmajestät, die schöpferischen Energien seines Geistes, die Macht seiner vergebenden Liebe, die Fülle seiner heilsgeschichtlichen Offenbarung. In dieser Welt Gottes wandelte Jesus wie in seinem Vaterhaus. In der Kraft dieser Energien Gottes wirkte Jesus und diente daher in der Vollmacht seines Vaters. In dieser Welt der Vergebung Gottes lebte Jesus, daher trug er die Vergebung seines Vaters in das Leben der Mühseligen und Beladenen, der Zöllner und Sünder. Diese Fülle von Herrlichkeit Gottes suchte Jesus durch sein Reden und Dienen, durch seine Wunder und seine Leiden zu offenbaren. Daher pries das Volk Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hatte, wenn es Jesus in seinem Wirken sah. Denn seine in Knechtsgestalt gehüllte Herrlichkeit wurde sichtbar in seinen Handlungen. So oft Er sprach und so oft Er diente, brach die Welt seines Vaters durch in die Welt der Sünde und des Todes.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Das Wort ward Fleisch."

Das Wort, das ewige Wort ward Fleisch. Gottes ewiger Sohn wird Mensch, wirklicher Mensch, nur nicht ein sündiger, sondern ein reiner Mensch, geboren von einer Frau. Wer von einer wahren, natürlichen Frau geboren wird, der muss auch ein wahrer, wirklicher Mensch sein. So ist auch Gottes ewiger Sohn ein Glied unseres Geschlechts, so dass Sein Stamm und Seine Vorfahren unter die Nachkommen Adams gezählt werden, wie es das erste Blatt des Neuen Testamentes zeigt. Gottes Sohn ist unser Verwandter, unser Blutsverwandter, "den Brüdern gleich", die Sünde ausgenommen. Unbegreifliche Liebe Gottes, die einen so wunderbaren und so gnadenvollen Ratschluss zu unserer Errettung fasste!

Aber hier wird es vor den Augen der Vernunft schwarz. Gottes ewiger Sohn unser Blutsverwandter, unser Bruder! Ist es wahr? Ist es möglich? Ich beginne und ich schließe, und ich beginne wieder mit diesem Punkt. Ist es wahr? Ist es möglich? Ich kann es nicht begreifen, kann aber auch nicht davon wegkommen. Meine Gedanken werden gleichsam in ein Netz ewiger Unbegreiflichkeiten, zugleich aber auch in ein Netz unwiderleglicher Zeugnisse eingeschnürt. Die Frage hat ein solches Gewicht, dass mit ihr das ganze Christentum steht oder fällt und damit zugleich auch unsere ganze Errettung und Seligkeit.

Einerseits ist es viel zu groß und zu herrlich, dass wir armen, gefallenen Menschenkinder so hoch geschätzt und geehrt sein sollten, dass Gottes ewiger Sohn unser Bruder und Blutsverwandter sein soll - viel zu groß und herrlich, so dass ich es wegen seiner Grösse nicht glauben kann. Andererseits ist mir dieser Stein des Anstosses zu schwer, um ihn wegwerfen zu können. Es steht eine Welt voller Zeugnisse da, die auf Ihn deuten; zuerst ein ganzes Weltalter der merkwürdigsten Vorhersagungen, sodann ein nachfolgendes Weltalter der merkwürdigsten Erfüllungen und der wunderbarsten pünktlichen Vollziehungen alles dessen, was vorhergesagt wurde. Kann ich die Person wegwerfen, die der Gegenstand dieser Voraussagungen und Erfüllungen ist? Den Stein, der von den Bauleuten verworfen wurde, den Gott aber zu einem Eckstein machte, - sollte ich versuchen, den wegzuwerfen? Oder kann ich auch nur das verwerfen, was ich heute von Seinem Reich auf Erden sehe? Ja, kann ich alles das verwerfen, was ich selbst von diesem getreuen Herrn erfahren habe? O nein! Er ist ein lebendiger und gegenwärtiger Gott, wir kennen Ihn ja, - doch nur als offenbart im Fleisch, denn niemand kennt den Vater, denn nur der Sohn.

Kann ich aber andererseits all das Große und Herrliche glauben, was darin liegt, dass Gott offenbart ist im Fleisch? Das ist doch allzu groß und herrlich! Und doch ist es eine ewige und göttliche Wahrheit, die ebenso gewiss und göttlich ist, wenn auch die Vernunft aller Menschen daran zerschellt. Ja, Gott sei Dank, dass wir sie nicht begreifen können, d.h., dass wir nicht einen so kleinen Gott haben, dem unsere arme, blinde Vernunft folgen könnte! Er bewahre uns davor, einen Gott zu haben, der unseren nicht einmal unser eigenes Wesen verstehenden Verstand übersteigen würde!

Dass das arme, gefallene und enge Herz diesen unaussprechlichen Schatz und diese unbeschreibliche Freude aber nicht behalten kann, das ist doch eine Plage, derentwegen man sich eine baldige Erlösung wünschen kann. Könnte ich diese große Herrlichkeit nur lebendig in meinem Herzen behalten, dass Gottes ewiger Sohn unser Blutsverwandter, unser Bruder ist, dann wollte ich nichts mehr, dann hätte ich für Zeit und Ewigkeit genug. Denn dann würde ich solche Schlüsse aus diesem seligen Verhältnis ziehen, dass kein einziger trauriger Gedanke mehr Raum bekommen könnte. Mein armes Herz würde wohl eher vor allzu großer Freude und Wonne brechen. Unser gefallenes und erniedrigtes Geschlecht ist so geehrt worden, dass Gottes ewiger Sohn sich in unser Geschlecht begeben hat, einer unseresgleichen, unser Blutsverwandter geworden ist. Nun will ich nichts mehr wissen, unser Geschlecht ist wahrlich so geehrt und über alle Engelthronen, ja, bis in den Himmel erhöht worden, so dass man wohl sagen muss, dass unser durch den Sündenfall erlittener Schaden, unsere Schmach und Erniedrigung mehr als reichlich gerächt und erstattet sind. Jetzt ist es die größte Ehre, ein Mensch zu sein; ja, die heiligen Engel hätten wahrlich Grund zu wünschen: "Ach, wer nur ein Mensch wäre!" Es ist wahr, was Luther bemerkt: "Nachdem der Sohn Gottes ein Mensch geworden ist, sollte dies doch die Frucht und die Wirkung auf uns haben, dass wir alles, was Mensch heißt, innig lieben und uns darüber freuen und nie mehr irgendwelche Unfreundlichkeit gegen ein Mitglied dieses Geschlechts hegen."

Alle Christen müssten sich auch zu ihrem Troste und ihrer Ermunterung gegen alle Widerwärtigkeiten des Lebens etwas tiefer in diese Betrachtung versenken und Gott um die Gnade bitten, sie in ihr Herz hineinzubringen, so dass sie mit großer Freude und Verwunderung sprechen könnten: "Jetzt will ich nichts mehr. Gottes Sohn ist ein Mensch! Dann wird es mit allem gut werden. Ist Gottes Sohn unser Anverwandter oder Blutsverwandter geworden, dann ahne ich im Herzen Gottes eine grössere Liebe zu den Menschen, als wir gewöhnlich glauben. Dann muss es nicht so sein, wie es uns so oft vorkommt, dass Gott fern und gleichgültig gegen uns sei; nein, dann muss ein tiefes Verbergen dahinterliegen, ein wundersames Spielen mit uns, wenn Er sich so verhält, als kümmere Er sich nicht um uns."

O, Abgrund der Barmherzigkeit, Dass Gott sich hat in Fleisch gekleidt' Die Menschheit angenommen, In allem, ohn' die Sünd, uns gleich! Willkomm'n, Herr Gott, vom Himmelreich! Willkomm'n, Herr Jesu! Amen.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Ja, Gnade und Wahrheit, das sind die eigentlichen Hauptzüge seines göttlichen Angesichts! Und bekennet es alle, die ihr diese Klarheit Jesu mit Geistesaugen geschaut habt: er hat nichts Abschreckendes, sondern nur Holdseliges und Göttlichmildes, so daß der Sünder sein Herz ganz vor ihm auf tun und sich ihm anvertrauen darf mit Leib, Seele und Geist, ganz wie er uns gemacht ist zum Hohepriester, der Mitleid haben kann mit seinen armen Brüdern, und mit den Müden zu rechter Zeit zu reden weiß. Ach, wer noch scheu vor den Heiland tritt, und ihm seine Sünden und Anliegen nicht frei heraus zu sagen wagt, der kennt ihn auch nicht. Wenn wir auf seinen ganzen Erdenlauf blicken, so hatte er nichts Furchterregendes wie Moses, noch wie Elias, der wie eine feurige Fackel hervorbrach, noch wie Johannes, der mit dem Eifer Elia die Sünder erschütterte; nein, er trat auf als Arzt der Sünder, nicht der Frommen, als ein Erbarmer, der das zerstoßene Rohr nicht zerbrach und den glimmenden Docht nicht auslöschte; als ein Heiland, der die mühseligen Herzen herbeizog, um sie zu erquicken und ihnen zu predigen das gnädige Jahr des Herrn. Sehet, darum hatten ihn auch die Sünder und Zöllner so lieb, und kamen so gern zu ihm, denn es war ihnen wohl in seiner erbarmungsvollen Nähe, in dem Licht seines sanften Antlitzes, in den erquickenden Reden seines Mundes. So wandelte er unter seinen armen, verlornen Brüdern umher, heilte, segnete, tröstete, tat ihnen lauter Gutes; denn er wußte wohl, daß er auf dieser Erde keine Gerechten und Heiligen finde, sondern lauter Sünder, die eines Sünderfreundes bedurften; und als solcher hat er sich in seinem ganzen Leben und Lehramt bis zum Tode dargestellt.

Allein zu dir, Herr Jesu Christ, mein Hoffnung steht auf Erden. Ich weiß, daß du mein Tröster bist, kein Trost mag sonst mir werden. Von Anbeginn ist nichts erkorn, auf Erden ward kein Mensch geborn, der mir aus Nöten helfen kann; ich ruf dich an, zu dem ich mein Vertrauen han.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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O welche harte Rede für die unerleuchtete Vernunft! Darüber stutzt (und flucht) die Natur; es ist ihr unerträglich; es ist ihr ein Geruch des Todes zum Tode, ein tödlicher Totengeruch, vor dem ihr ekelt, darüber sie sich entsetzt, den sie nicht in ihrer Nase leiden mag. Man darf sich gar nicht wundern, wenn in unsern, wie sie sagen, erleuchteten Tagen dies große Wort von der Menschwerdung Gottes, daß Gott ein Mensch und uns in allem gleich geworden sei, als Unsinn, als törichter Unsinn, als die strafbarste Verletzung des gesunden Menschenverstandes ausgeschrien und ausposaunt wird, mündlich und schriftlich.

Aber was ist denn der Grund dieser Feindschaft, dieses Widerwillens gegen das Wort von der Menschwerdung Gottes? Antwort: »Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn es muß geistlich beurteilt werden.« (1. Kor 2,14). Aber warum vernimmt er nichts davon? Antwort: »Weil er den Geist Gottes nicht hat.« Aber warum hat er den Geist Gottes nicht? Gott will ja, »daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.« Antwort: Weil er widerstrebt. Aber warum widerstrebt er? Antwort: Weil der Geist Gottes ein Geist der Wahrheit ist, der in alle Wahrheit leiten will, der allen Trug, alle Lügen, alle Einbildungen des eigenen Herzens in ihrer Torheit aufdeckt, dessen Arbeit darauf hingeht, dem Menschen zu zeigen, was er ist, daß er nämlich ein fluch-, ein höllenwürdiger Sünder ist, das heißt, dem Menschen die Wahrheit zu zeigen. Sehet, dies will man nicht gelten lassen; diese Wahrheit liegt, wie das Herz wohl fühlt, auch in der Lehre von der Menschwerdung Gottes, und daher diese Empörung.

Ohne Licht seh ich kein Licht; ohne deine Gnade wird mein Gang durchs Leben nicht sicher und gerade. Ohne dich benetzt kein Tau meine dürre Seele! Drum Herr Jesu, auf mich schau, der ich dich erwähle!

Sende mir von deinem Thron helle Gnadenblicke, daß ich mich, o Gottes Sohn, ganz in dir erquicke; daß mir sonst nichts sei bewußt, außer deiner Liebe; diese weck in meiner Brust alle Geistestriebe!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Gottes Gnadentat

Wir tun gut daran, uns dessen zu erinnern, dass die Menschheit nur ein Teil der Geschöpfe Gottes ist. Dann wundern wir uns: Wie konnte der Unendliche endlich werden? Und: Wie konnte der Eine, der ohne Beschränkungen existiert, freiwillig Beschränkungen auf sich nehmen? Aus dem Hebräerbrief erfahren wir zu unserem Erstaunen, dass Gott sich nicht der Engel annimmt, sondern der Kinder Abrahams.

Eigentlich sollte man annehmen, dass Gott, wenn Er sich herablässt, sich so wenig wie möglich herablässt. Doch stattdessen begibt Er sich auf die unterste Stufe und nimmt das Wesen Abrahams an - der Kinder Abrahams. Ich mag das, was John Wesley im Blick auf jenen geheimnisvollen Vorgang sagte, dass Gott sich auf die Stiftshütte zu uns herabbückt: Wir sollten den Vorgang selbst unterscheiden von der Art und Weise, wie er vonstatten ging. Wesley riet, eine Tatsache nicht deshalb zu verneinen, weil wir nicht wissen, wie sie zustande kam. Mit den Heiligen aller Zeiten tun wir gut daran, einfach unsere Hände zu erheben und zu bekennen: »O Herr, Du weißt es!«


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Die ewige Herrlichkeit Christi

Der Apostel Johannes spricht für alle, wenn er über Gottes ewigen Sohn schreibt und uns daran erinnert, dass »wir seine Herrlichkeit sahen«. Johannes sprach von weit mehr als von der Herrlichkeit der Wunder Jesu Christi. Alles in der Natur dient Ihm und steht unter Seiner Autorität. Alles, was unser Herr tat, war voll Bedeutung - angesichts Seiner ewigen Herrlichkeit.

Aber wir können gewiss sein, dass Johannes eine weitaus größere Herrlichkeit meinte, als die gnädigen und wunderbaren Maßnahmen der Heilung und der Hilfe, die unser Herr ergriff.

Es war die Person und das Wesen Jesu, die er als herrlich bezeichnete. Es war nicht nur das, was Er tat - sondern das, was Er war, was Er in Seiner Person vor allem anderen war.

Liebe Brüder und Schwestern, über die Herrlichkeit Jesu Christi kann es keine Diskussionen geben - sie beruht auf der Tatsache, dass Er die perfekte Liebe in einer Welt ohne Liebe war, dass Er die vollkommene Reinheit in einer unreinen Welt war und dass Er die vollkommene Sanftmut in einer rauen und streitsüchtigen Welt war. Geduld im Leiden, unauslöschbares Leben und Gottes Gnade und Wahrheit waren ebenso im ewigen Wort. Dies ist die göttliche und ewige Herrlichkeit, die die berühmtesten und begabtesten Persönlichkeiten dieser Erde nie erreichen werden!


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Jeder einzelne unter uns ist eine Welt für sich mit besonderen Bedürfnissen und geistlichen Gebrechen. Wie kein Eichblatt dem anderen gleicht, so gibt es auch in unseren Schwierigkeiten Schattierungen und Abstufungen. Ja, wir sind eine ganze Welt für sich. In diese Welt unseres Herzens hinein ist nun das Wort gekommen, um in uns zu wohnen, uns neu zu erschaffen, umzugestalten und zu vollenden.

«Es wohnte unter uns.» Es kam nicht nur zu Besuch, wie der Engel des HERRN zu Abraham kam; es will bei uns bleiben. Es ist das Wort Gottes, das kam, um uns Gnade zu geben. Es will das vollbringen, was wir nicht können. Es will zu uns reden, Gemeinschaft mit uns haben, uns vollkommen erretten und heiligen.

Nicht mehr wir sind es, die wirken, sondern das Wort ist am Werk. Nicht mehr wir versuchen es und hoffen, sondern das Wort ist es, das vollbringt und vollendet. Das ist wahre Ruhe! Wir wollen also lernen, die Zügel aus der Hand zu geben und Gott wirken zu lassen! Laßt uns lernen, das wahre christliche Leben zu leben: Christus für uns, in uns, durch uns, in allem.

«Voller Gnade und Wahrheit.» Nicht wie ein verzehrendes Feuer wohnt Gott unter uns, sondern voller Gnade und Wahrheit. Diese Offenbarung ist nötig für unser müdes Herz, unser gequältes Gewissen. Das Gesetz forderte von uns, was wir nicht erfüllen konnten. Die Gnade schenkt uns, was wir nicht anders erringen können. Der Glaube verläßt sich auf das, was Gott in Seinem Wort sagt; er eignet sich alles an, was Christus ist und hat. So wird die Gegenwart des Wortes voller Gnade und Wahrheit täglich für uns persönlich zu einer Tatsache.

Alles, was das Wort in Ewigkeit ist, können wir uns aneignen und dadurch ein normales Christenleben führen. Das schöpferische Wort wird in unserem Leben die Verheißung zur Wirklichkeit machen: «Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung» (2. Korinther 5,17). Dieses Schöpfungswerk beginnt Gott dadurch, daß Er Tod und Finsternis vertreibt und dann Leben nach dem Bild Seines Lebens in uns erzeugt. Diese ganze Fülle ist für den Schwächsten und Kleinsten. Wir wollen doch wagen, es zu glauben und ganz einfach anzunehmen!


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Eine Gratwanderung in den Alpen! Rechts und links drohen die Abstürze. Aber der Fuß tritt auf sicheres Felsgestein. Und meine Sicherheit hängt davon ab, daß ich nicht einen Zentimeter von dem Felspfad abweiche. So ist der Weg des christlichen Glaubens. Im Mittelpunkt dieses Glaubens steht Jesus . Ihn nennt unser Text das „Wort, das im Anfang bei Gott war und mit Gott ganz eins ist". Und von Ihm wird gesagt, daß Er „Fleisch" wurde, d. h. daß Er ganz und gar uns gleich wurde. Wahrhaftiger Gott und wahrhaftiger Mensch! Immer wieder ist die Christenheit von dieser Wahrheit abgewichen, nach rechts und nach links.

Der rechte Absturz: Da betont man die Gottheit Jesu so einseitig, daß der arme Mensch die Augen nicht mehr zu Ihm zu erheben wagt und sich lieber an allerlei Mittler, Fürsprecher und Heilige hält, zu denen er eher Vertrauen fassen kann, weil ihnen das Menschliche nicht fremd ist. Der linke Absturz: Da sieht man nur die menschliche Seite Jesu, reißt Ihm die Krone der Gottessohnschaft vom Haupte und macht Ihn zu einem moralischen Vorbild oder zu einem Religionsstifter.

Es handelt sich hierbei wirklich um Abstürze: Denn wenn wir nicht den ganzen Jesus haben, verlieren wir Jesus ganz. Laßt mich ein anderes Bild brauchen: Jesus ist die Brücke zwischen Gott und der armen Welt. Eine Brücke ist nur dann sicher, wenn sie an beiden Ufern fest aufliegt. Jesus ist die Brücke, weil Er ganz zu Gott und auch ganz zu uns gehört. Laßt es uns fassen, was unsre Väter von Jesus sagten: » . . . daß der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist und bleibt, wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria durch die Wirkung des Heiligen Geistes an sich genommen hat." Er ist unser Herr und unser Bruder. Amen.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Das Wort ward Fleisch.

Hier denke man an Luthers Worte, dass wenn man's so glauben könnte, wie es dasteht, das Herz vor Freude zerspringen müsste; denn selbiges Wort sei wert, mit hohen Noten gesungen zu werden, dass alle Glocken geläutet und alle Register gezogen würden, ja, dass der Teufel selbst diesem Worte weiche, aber auch den geschlagen habe, der bei der Verlesung des wundersamen Geheimnisses nicht auf die Knie gefallen sei. Und die Lieder alle, von dem des alten Sperrvogel über den, der gewaltig und stark zu Weihnachten in Armut geboren ist, von dem Kinderliede auf die Weihnacht, vom Kindlein Jesu, mit dem Luther die alten Mysterien nicht verdrängte, sondern vertiefte, von dem „Bis willekom, du edler Gast, den Sünder nicht verschmähet hast und kommst ins Elend her zu mir“ bis zu Paul Gerhardts andächtigem „Ich steh an deiner Krippe hier“: der ganze Chor der singenden, lobenden, betend bekennenden Kirche wacht mit diesem Worte freudig auf, dass wenn die Kanzel nimmer ganz und klar sich ihm öffnet, doch das Lied das große Geheimnis weitertrage und verkünde, auf dass Tag und Nacht kein Schweigen sei.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Das Wort ward Fleisch und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Zwei große Tatsachen sind es, an die wir zunächst denken sollen, wenn wir das Wort hören: Das Wort ward Fleisch. Das ewige Wort, durch das alle Dinge gemacht sind, hat unser Fleisch und Blut angenommen, um sich für uns dahinzugeben. Schon beim Anblick des Kindleins in Bethlehem erinnern wir uns an das Wort in Hebr. 10,5: „den Leib aber hast du mir zubereitet,“ den Leib zum Opfer auf dem Altar des Kreuzes. Die andere Tatsache, an die wir erinnert werden durch obigen Ausspruch des Johannes, ist die, dass durch die Menschwerdung Christi unsere Natur geheiligt wurde. Wir sehen in ihm den Immanuel, Gott mit uns. Der erste Adam trennte sich von Gott durch die Sünde; in Christo Jesu, dem zweiten Adam, ist Gott wieder mit dem Menschen vereinigt, und die Feindschaft zwischen Fleisch und Geist aufgehoben. Das Wort ward Fleisch, damit wir wieder aus dem Fleisch herauskommen durch Seinen Geist. Er wohnete, Er zeltete unter uns. Er kam nicht, um hier zu bleiben; diese Erde, die um des auf ihr liegenden Fluches willen vergehen muss, konnte Ihm keine Bleibestätte bieten. Er kam nur, um den Fluch zu tragen und uns zu erlösen. Die Sünder selber, für die Er kam, haben Ihn ausgestoßen und verworfen. Nur wenige erkannten Seine Herrlichkeit und diese sahen, dass es eine Herrlichkeit war, nicht von dieser Welt, sondern vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Das Kommen Christi in's Fleisch war in sich selber ein sichtbares Zeugnis, ja die Erscheinung der Gnade Gottes. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes, schreibt Paulus an Titus. Gott war in Christo, um sich uns zu offenbaren als der Gott voller Gnade. Diese herrliche Botschaft: voller Gnade, sollte jeden Menschen anziehen, denn Er ist voller Gnade f ü r u n s . Wir dürfen aus Seiner Fülle Gnade um Gnade nehmen. Durch Seine Gnade kommen wir aus der Lüge und dem Schein heraus, in die Wahrheit. Die Sünde ist Lüge und kann das Herz nicht stillen. Christus ist die Wahrheit, die unsere Herzen auf ewig stillt. Er bringt uns wieder in Lebensgemeinschaft mit dem Vater, und diese Lebensgemeinschaft ist Wahrheit.

Herr der Herrlichkeit! Du bist Fleisch geworden um unsertwillen. Ja, das ist Herrlichkeit von Gnade für uns Arme. Ich bitte Dich, die Wahrheit, Du wollen durch die Macht Deiner Gnade und Wahrheit mich herausheben aus aller Unwahrheit und allem Schein. Amen