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Predigten zu Psalm 139,23

"Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken!"

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Notwendigkeit der göttlichen Erleuchtung

"Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ich's meine! Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege!" Ps. 139, 23.24

Am Beginn des Psalms verweilt der Sänger anbetend vor dem Geheimnis der Allwissenheit Gottes. Es geht über sein Begreifen, er kann es nicht verstehen, wie Gott aller Menschen Herzen und Wege gleichzeitig schaut und durchschaut. Wie töricht ist der Mensch, wenn er sich damit beruhigt, dass niemand um seine finsteren Pläne weiss, dass kein Zeuge seine böse Tat ans Licht bringen kann! Er vergisst, dass ein Auge alles sieht und auch den Rat der Herzen offenbaren wird. - Weise ist, wer mit dem Sänger am Schluss des Psalms bittet: Erforsche mich, prüfe und erfahre, wie ich's meine! Lass einen Strahl deines Lichtes, vor dem nichts verborgen ist, in mein Herz fallen, lass dein alldurchdringendes Auge auch auf mein Herz prüfend gerichtet sein! Denn nur in deinem Lichte sehe ich das Licht. Sonst ist mein Inneres mir selbst verborgen. - Um die Selbsterkenntnis ist es ein besonderes Ding. Es kann einer von den Völkern und Ländern der Erde genaue Kunde haben, aber das Gebiet seines eigenen Herzens ist ihm ein unbekanntes Land. Es kann einer viel wissen und erkennen, aber über seinen inneren Zustand ist er völlig im unklaren. Zur völligen Selbsterkenntnis, zur wirklichen Sündenerkenntnis kommt man nur durch göttliche Erleuchtung. Die Tatsache der gänzlichen Verdorbenheit und sittlichen Ohnmacht des Menschen ist ein Geheimnis. Es muss von oben aufgeschlossen werden. Niemals schätzt sich der Mensch richtig ein, wenn ihm nicht Gott sein Inneres zeigt. - Wie hochnötig ist doch die Bitte um Durchleuchtung von oben! Das Licht von oben deckt nicht nur vieles auf, was uns sonst verborgen bleibt, besonders den bösen selbstischen Grund unseres Wesens, es setzt auch das, was wir wissen, erst in die rechte Beleuchtung: "Ich bin nur mit dem Verstand ein Sünder", meinte einmal jemand. Das Licht von oben bewirkt, dass wir unsere Übeltaten nicht nur wissen, sondern auch in ihrer Verwerflichkeit fühlen und im Gewissen schwer durch sie beunruhigt werden. Wir kommen nicht mehr über sie hinweg. Wir können sie nicht mehr wegschieben. Sie verfolgen uns, bis wir Vergebung in Jesu Blut gefunden haben. - Leider wollen viele sich nicht im Lichte Gottes, sondern durch gefärbte Gläser sehen. Es ist wahr, man macht niederschlagende Entdeckungen. Es ist erschütternd, wenn der Geist Gottes die ganze traurige Wirklichkeit aufdeckt. Aber was hilft's? Es gibt nur zwei Wege: den "bösen" Weg, den "Weg der Schmerzen", wie es eigentlich heißt, und den "ewigen" Weg. Wer blind weitergeht und nicht sehen will, der bereitet sich viele Schmerzen, hier schon und erst recht dort am Gerichtstag, wenn alles offenbar wird. O Herr, ziehe alles ans Licht, lasse mich's mit deinen Augen sehen und leite mich auf ewigem Wege, der zum Ziel führt, der nicht, wie der Weg der Gottlosen, vergeht und in Nacht und Grauen endet!


Autor: Watchman Nee (* 04.11.1903; † 30.05.1972) chinesischer Prediger
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"Erforsche mich, Gott ..., und sieh, ob ich auf bösem Wege bin."

Wahre Selbsterkenntnis kommt nie daher, dass wir uns nach innen kehren. Das Beschauen unseres Innern führt uns zu keinem wirklichen Verstehen. Nein, richtig sehen können wir erst dann, wenn Gottes Licht uns erleuchtet. Ich finde, es ist ganz einfach. Wenn wir uns vergewissern wollen, ob unser Gesicht sauber ist, was tun wir dann? Tasten wir es genau mit unseren Händen ab? Keineswegs. Wir holen einen Spiegel und gehen damit ins Helle. Dort im Licht wird alles deutlich.

Du verstehst doch, was das heißt: "Erforsche mich" ? Es bedeutet keinesfalls, dass ich mich selbst erforsche. Nein, es heißt: "Erforsche du mich!" Das ist der Weg der Erleuchtung. Gott ist es, der kommen und erforschen muss. Dass ich mein eigenes Ich erkenne, kommt nicht dadurch, dass ich mich selbst erforsche, sondern dass mich Gott erforscht.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Denke wie Gott

Wenn Gott weiß, dass du bereit bist, mit jedem Bereich deines Lebens Ihm zu dienen, dann will Er - so hat Er verheißen - mit dir zusammenarbeiten. Auf Seiner Seite stehen Liebe und Gnade, die Verheißungen und die Versöhnung, die fortwährende Hilfe und die Gegenwart des Heiligen Geistes.

Auf deiner Seite befinden sich Entschlossenheit, geistliches Fragen, Hingabe und Glaube. Dein Herz wird zu einem Raum, einem Heiligtum der dauerhaften, ungebrochenen Gemeinschaft mit Gott. Die Ehre, die du Gott gibst, wächst von Tag zu Tag.

Wir haben erkannt, dass Gott nicht dort wohnt, wo boshafte, gehässige, stolze und selbstsüchtige Gedanken vorherrschen. Er schätzt unsere reinen und liebevollen Gedanken, unsere sanftmütigen, freundlichen und gütigen Gedanken. Also Gedanken, wie Er sie hat! Wenn Gott in deinen Gedanken wohnt, wirst du Ihn ehren und Ihn anbeten - und Gott wird dies annehmen. Er wird den Wohlgeruch deiner guten, hehren Absichten wahrnehmen, selbst wenn die Sorgen des Lebens zunehmen und um dich herum lauter hektische Betriebsamkeit herrscht.

Da gibt es für uns keine Ausreden. Wir wissen, wie Gott uns haben will. Er möchte, dass wir Ihn von ganzem Herzen ehren und anbeten!


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Diese Bitte sprach der Psalmist in der Gewissheit, dass sie erhört sei; denn er beginnt mit den Worten: „Herr, du erforschest mich und kennest mich“, und er preist den Blick Gottes, der ihn in allen seinen Lagen begleitet und auch dann über ihm war, als ihn noch kein menschliches Auge sah, schon damals, als er im Mutterschoß bereitet wurde. Indem er aber um das bittet, was Gott tut, macht er aus dem, was Gott tut, sein eigenes Verlangen und bekennt sich mit entschlossenem Willen dazu, dass er als der stets und völlig von Gott Gekannte sein Leben führt. Es ergibt einen großen Unterschied, ob wir das, was Gott ist und tut, nur wissen oder ob wir uns mit Willen und Liebe dazu bekennen und uns mit ihm einigen. Die Gewissheit, dass wir von Gott gekannt sind, kann das Sträuben in uns erwecken, das sich ihm entziehen möchte. Wir wissen zwar, dass dieses Sträuben Torheit ist, weil es keinen Erfolg haben kann, und doch zwingt uns die Furcht vor Gott dazu, diese Erkenntnis von uns abzuschütteln. Das ist jener Kampf gegen die Wahrheit, von dem Paulus gesagt hat, er bringe Gottes Zorn auf uns herab. Anders macht es der Psalmist mit der ihm geschenkten Erkenntnis, dass nichts in ihm vor Gott verborgen ist. Er verdrängt sie nicht, sondern macht sie zu seinem Begehren und begründet mit ihr seine Bitte: Herr, erforsche mich; das ist mein Heil, dass dein Licht mich durchleuchtet und dein Urteil mir vernehmlich wird. Jede Bitte hat das Geständnis unseres eigenen Unvermögens in sich, und dies gilt auch von diesem Gebet. Wie kann ich mich selbst erkennen, mich selbst erforschen? Ich bleibe für mich ein Geheimnis, das ich nicht aufschließen kann. Vor dir sind aber alle Wurzeln meines Lebens aufgedeckt. Schuld und Unschuld, was ich sollte und was ich konnte, was die anderen aus mir machten und was ich selbst aus mir machte, alles liegt klar vor dir. Unser Unvermögen, uns richtig zu beurteilen, kann uns schwer ängstigen; aber was uns ängstigt, wird uns dadurch zum Segen, dass es uns zu Gott hintreibt. Über unserer Unwissenheit steht sein göttlich klares Wissen und über unserem schwankenden Urteil, das uns heute Zuversicht gibt und morgen uns anklagt, sein unfehlbares Gericht, das ohne Trübung der Wahrheit dient. Der im Glauben an Gott gerichteten Bitte wird auch die Erhörung nicht versagt. Gottes Urteil über das, was wir sind und tun, bleibt uns nicht verborgen. Sein Gericht enthüllt, was wir verstecken, und seine Gnade gibt uns durch seinen Geist das Zeugnis, dass wir Gottes Kinder sind.

Mit dem Psalmisten betet Deine ganze Schar: Herr, erforsche mich. Sie haben es alle gelernt, die Wahrheit lieb zu haben, weil Du, Herr Christus, unser Weg bist, der Du die Wahrheit bist. Mein Schutz gegen alles, was mich blendet und mich über mich täuscht, bist Du, Herr, allein. Amen.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz!

Wenn das Gott uns noch schenkte, weiter nichts als ein wenig Echtheit, dann wäre ein großes Friedenswerk an uns getan. Glaubt es mir: wir vergehen im Schein, der uns nicht bloß über uns selbst, sondern über die Heimat täuscht und beträgt. Nicht an des Lebens schrecklichem Tod, nicht an des Krieges furchtbarem Ernst, sondern an des Scheines furchtbarer Trügerei stirbt der Mensch. Darum mache der Herr unser Herz gewiss, ob wir im Schein leben oder ob wir echt sind! Er helfe uns von dem alten Menschen, der da unecht ist, und von dem neuen Menschen, der da geborgt ist. Er mache uns frei, indem er uns arm macht! Lieber ganz arm ohne jeden Lebensertrag, ohne irgend einen Freund, der für uns redet, durch die enge Pforte in die Heimat, als von Tausenden begrüßt und beglückwünscht und an der Pforte das Wort hören müssen: Es ist für dich die Pforte zu eng und du bist für die Pforte zu weit.