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Predigten zu Psalm 23,4

"Auch wenn ich wanderte im Tale des Todesschattens, fürchte ich nichts Übles, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Kein Unglück fürchte ich; denn Du bist bei mir."

Siehe, wie unabhängig von allen äußeren Umständen und Verhältnissen der Heilige Geist einen Jünger Christi machen kann! Welch ein herrliches Licht kann in uns scheinen, wenn um uns her alles dunkel ist! Wie sicher, wie selig, wie ruhig, wie reich an Frieden können wir sein, wenn die Welt erzittert und die Grundfesten der Erde sich bewegen! Ja, der Tod selbst mit all seinen furchtbaren Schrecken ist ohnmächtig, die freudige Stimmung eines Christenherzens zu zerstören; vielmehr ertönt die himmlische Musik im Herzen nur umso süsser, heller und seliger, bis die letzte Wohltat, die uns der Tod erweisen kann, uns zuteil wird, und der irdische Gesang mit den himmlischen Chören verschmilzt, und die zeitliche Freude sich auflöst in ewige Wonne! O, darum lasst uns zuversichtlich hoffen auf die Macht des hochgelobten Heiligen Geistes, der uns tröstet. Liebe Seele, siehst du etwa Mangel und Armut voraus? Fürchte dich nicht, der göttliche Geist kann dir in all deinem Mangel eine grössere Fülle wahrer Güter schenken, als die Reichen in ihrem Überfluss besitzen. Du weißt nicht, was für Freuden dir zugedacht sind in deiner Hütte, welche Gnade mit Rosen der Genügsamkeit umpflanzt. Fühlst du, dass deine Körperkräfte mehr und mehr abnehmen. Blickst du langen, leidensvollen Nächten und schweren Schmerzenstagen entgegen? Ach, werde nicht traurig! Dein Tränenlager wird dir zum Throne werden. Was weißt du doch, wie jeder stechende Schmerz, der deinen Körper durchzuckt, zu einem Läuterungsfeuer werden mag, das deine Schlacken verzehrt, zu einem Strahl der Herrlichkeit, der die geheimen Falten deines Herzens durchleuchtet? Werden deine Augen dunkel? Der Herr Jesus will dein Licht sein. Verlässt dich dein Gehör? Der Name deines Jesu wird deiner Seele schönster Gesang sein und seine Person deine teuerste Wonne. Sokrates pflegte zu sagen: "Weise können auch ohne Gesang glücklich sein;" aber Christen können noch glücklicher sein als alle Weisen, wenn schon alle äußeren Freudenquellen versiegt sind. In Dir, mein Gott, soll mein Herz frohlocken, mag auch von außen Übels kommen, was da will! Durch Deine Güte, o Heiliger Geist, wird mein Herz unnennbar fröhlich sein, ob mir hienieden auch alles mangle.


Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Und ob ich schon wanderte im Tale des Todesschattens, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir." Psalm 23,4

Dieser unvergleichlich köstliche Vers ist schon an unzähligen Sterbebetten gesungen worden und hat dazu beigetragen, das finstere Tal licht zu machen.

Jedes Wort birgt einen Reichtum tiefer Bedeutung in sich. "Und ob ich schon wanderte" - es ist, als beschleunige der Gläubige seinen Schritt nicht im mindesten in Hast und Unruhe, wenn es zum Sterben geht, sondern als setze er ganz ruhig seine Wanderschaft an Gottes Hand fort.

Wandern bezeichnet den gemessenen Schritt einer Seele, die ihren Weg kennt und weiss, wohin er führt. Das sterbende Gotteskind ist nicht in Aufregung, es rennt nicht, als wäre es in Schrecken, noch steht es still, als wollte es nicht weiter. Es ist weder bestürzt noch beschämt, und darum behält es den gewohnten Schritt bei. Es geht ja nur durchs finstere Tal; wir bleiben nicht darin. Wir wandern durch die dunkle Stunde des Todes und treten plötzlich in das helle Licht der Unsterblichkeit. Wir sterben nicht, sondern wir legen uns schlafen, um in der Herrlichkeit zu erwachen. Der Tod ist nicht das Ziel, sondern der Durchgang, der zu diesem Ziel führt.

Das Sterben wird hier ein Wandern durch ein Tal genannt. Auf den Bergen bricht der Sturm los, aber das Tal ist der Ort der Stille. So sind oft die letzten Tage und Stunden des Christen die friedevollsten seines ganzen Lebens.

Es heißt auch nicht "das Tal des Todes", sondern "das Tal des Todesschattens" - das ist uns köstlich; denn wir wissen, dass der Tod in der Tat seinem Wesen nach abgetan und nur noch sein Schatten übriggeblieben ist.

Es hat einmal jemand gesagt, wo Schatten sei, da müsse es auch Licht geben. Und so ist es hier. Kein Mensch fürchtet sich vor einem Schatten, denn ein Schatten kann niemand auch nur einen Augenblick den Weg versperren. Der Schatten eines Hundes kann nicht beißen; der Schatten eines Schwertes kann nicht töten; der Schatten des Todes kann uns nicht verderben. Darum lasst uns vor ihm keine Furcht haben!


Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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KEIN PARADIES FÜR NARREN

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Gott in unserem Leben Prüfungen zulassen wird und letztendlich alle Dinge seinen heiligen Plänen und Absichten dienen (Röm 8,28). Ich weiß, dass wir uns alle perfekte Umstände wünschen, in denen alles in geordneten Bahnen verläuft und Zufriedenheit herrscht. Zwischenzeitliche Ruhe von Anfechtungen mag uns sogar zu dem Gedanken verleiten, dass es wohl auch möglich sei, ohne sie durchs Leben zu kommen, doch dem ist nicht so. Prüfungen und Anfechtungen werden hier auf Erden unsere ständigen Begleiter sein. Wir können in einem Narrenparadies leben und uns selbst vormachen, dass es nie Probleme geben wird, und die Zukunft rosa malen – das ist ein Traum. Jesus warnte seine Jünger ausdrücklich – und mit ihnen alle, die ihm nachfolgen wollen –, dass sie mit Bedrängnis rechnen müssen (Joh 15,18-16,6).

Der Puritaner Thomas Manton stellte einmal fest, dass Gott zwar einen Sohn ohne Sünde hatte, jedoch keinen Sohn ohne Kreuz. Eins ist gewiss: Als Christ musst du dich auf Prüfungen gefasst machen. Unsere Zuversicht ist aber, dass wir siegen werden, weil Gott mit uns ist. Die Bedrängnisse werden kommen, doch Gottes Gnade wird da sein in Zeiten der Not.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Es kommen nicht alle glücklich durch das finstere Tal hindurch, vielmehr stürzen viele in demselben von dem schmalen Wege hinunter in die Abgründe. Das hat darin seinen Grund, dass sie nicht unverrückt an der Gnade, Macht und Treue des Herrn und darum auch nicht an seinem Gebot und klar ausgesprochenen Willen hangen geblieben sind, sondern Mittelwege gesucht haben, um dem Fleisch nachzugehen, um sich von dem Schrecken und der Angst, die in diesem Tal herrschen, zu befreien, statt im Gebet und Ringen anzuhalten, bis dass der Sieg erfochten ist. Sie glaubten mehr an das Sichtbare, als an den unsichtbaren, lebendigen Gott, vor dem alles Wüten und Toben des Widerspiels doch ein Nichts ist. So kommen gerade im finstern Tal alle die um, welche zwar eine gute Strecke auf dem Wege nach Jerusalem, das droben ist, mitgewandert sind, aber nicht bis ans Ende beharrt haben. Dagegen alle die, denen es aus Gnaden gegeben ist, im finstern Tal die Tröstungen des Steckens und Stabes des einzigen Hirten, des Anfängers und Vollenders unseres Glaubens, für ihren einzigen Verlass zu halten, und die auch dadurch getröstet nicht weichen weder zur Rechten noch zur Linken, – sie erleben Tag und Stunde ihrer Errettung aus aller Not, Tag und Stunde, worin es an ihnen erfüllt wird, was der Herr selbst verheißen: Selig sind, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, denn sie sollen gesättigt werden.

Und walle ich im finstern Todestale,
so weiß ich, dass ich hier auch sicher walle:
du bist bei mir, dein Stecken wird mich leiten;
ich fürchte nichts, dein Stab wird für mich streiten.
Das ist mein Trost, wo ich auch wandeln möge.
Du bist und bleibst mein Führer auf dem Wege.


Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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Die Losung spricht vom finstern Tal. Wir sind auch heute auf eine schmerzliche Weise ans finstere Tal erinnert worden. Ein uns fast allen wohlbekannter teurer lieber Bruder in Straßburg (Herr Mausch) wird heute Mittag um 3 Uhr ins Grab eingesenkt, - war nur 24 Stunden lang krank! Der HErr hat ihm schnell durchs finstere Tal geholfen. Er ist im Glauben gestanden, und hat viel in allerlei christlichen Vereinen Straßburgs gewirkt, auch große Liebe zu unsrem Hause, schon in den Tagen Möttlingens, gehabt. Er wird mir und vielen in Straßburg unvergeßlich bleiben. - Gottlob. daß der HErr auch für uns durch's finstere Tal gegangen ist; und Er hatte es zuvor finsterer, als es nur ein Mensch haben kann. Fühlte Er sich doch selbst von Gott verlassen, wiewohl Er auch unter dieser Verlassenheit doch noch rufen konnte und nicht davon abließ: „Mein Gott, mein Gott!“ In Stunden der Verlassenheit sich nicht verlassen lassen, - versteht ihr's? - in Stunden der Verlassenheit sich vom lieben Gott nicht verlassen lassen, das ist besonders wichtig, daß wir es lernen, - und der Heiland lehrt's uns. Auf ein Tüpfelchen, kann man sagen, kam bei Ihm alles an. „Eli, Eli.“ rief Er, und dieses hebräische Wort „Eli“ ist zusammengesetzt aus „El“ d. h. Gott, und „I“ d. h. „mein“; und letzteres wird nur mit einem Tüpfelchen oder Strichlein geschrieben. Aber mit diesem Tüpfelchen behielt Er den Faden bis zum Herzen seines Vaters. Denket an den Glauben, wie ein Senfkorn, was auch wir mit dem, nach der Versicherung des HErrn, auszurichten vermögen. Aber so mußte Er durch, und so hat Er sich auch durchgekämpft im Glauben (Heb.12,2), und ist damit unser Retter geworden. Weil Er hindurchgekommen ist, hat Er das Recht, uns auch hindurchzubringen; und für uns wird's nur dann schwer, wenn das eigene Gewissen trostlos machen will. Ja, das kann's schwer machen. Aber Er hat für uns geblutet; so darf auch das eigene böse Gewissen uns nimmer muthhlos machen, wenn wir nur Ihn ansehen, annehmen und festhalten. „Dein Stecken und Stab trösten mich,“ lesen wir; und wie kann doch der HErr JEsus uns Stecken und Stab werden.

Auch so lange wir hienieden wallen, geht es fortwährend durch Todesnoten hindurch. Man gehe unter den Tröstungen des Kampfes JEsu ruhig, gelassen, seine Straße weiter, wenn auch geplagt, gepeinigt und bedrängt auf allerlei Weise. Nur Ihn, den gekreuzigten und Auferstandenen, nicht fahren lassen, Ihn als Stecken nehmen, mit dem man läuft, und als Stab, auf den man sich stützt, - und weiter, Er führt zur Herrlichkeit.

Mel. Herzlich tut mich. Wann ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wann ich den Tod soll leiden, So tritt Du dann herfür! Wann mir am Allerbängsten Wird um das Herze seyn, So reiß' mich aus den Ängsten Kraft Deiner Angst und Pein !


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Als Jakob aus Mespotamien heimzog und seine bei seinem Schwiegervater Laban sehr sauer verdienten Herden mit sich führte, sah er besonders auch darauf, daß ihm sein Vieh nicht möchte übertrieben werden, und schonte desselbigen, so viel er konnte (1. Mose 33,13). Jakob ist hierin das Bild eines guten Hirten, dem die Schafe eigen sind, und ein herrliches Vorbild des Heilandes. Denn das ist auch des Heilandes Art, daß er seine Schafe nicht übertreibt, sondern Geduld mit ihnen hat. Er kann warten, kann auswarten; mit der geduldigsten, schonendsten Zärtlichkeit nimmt er sich seiner kränkelnden Schafe an; er verachtet auch das geringste Fünkchen göttlichen Lebens nicht, das in einem Herzen liegt, sondern er sucht ihm aufzuhelfen, daß es in eine rechte Flamme ausbreche. Er ist kein harter Mann, dem man nicht genug bringen könnte, sondern er ist sanftmütig und siehet auf das Niedrige. Darum sagt schon Jesaja (61,1-3) von ihm: »Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, daß sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Vergeltung unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, zu schaffen den Trauernden zu Zion, daß ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauerkleid, Lobgesang statt eines betrübten Geistes gegeben werden, daß sie genannt werden >Bäume der Gerechtigkeit^ Pflanzung des Herrn<, ihm zum Preise.«

Ja, wo auch nur ein Senfkörnlein Glaubens in einem Herzen sich findet, da darf man gewiß sein: der Heiland sieht es und pflegt es und wartet der Stunde, wo er dem Senfkorn das volle Gedeihen geben und es zu einem mächtigen und starken Glaubensbaum emporwachsen lassen kann. Er zerbricht das zerstoßene Rohr nicht; er löschet das glimmende Döchtlein nicht aus, bis daß er das Gericht hinausführe zum Siege (Math. 12,20), bis die Stunde gekommen ist, wo er mit seinem göttlichen Leben durchbrechen und seine Feinde, die in der Seele sich gegen ihn erheben, zum Schemel seiner Füße legen, bis er den Niedrigen aus dem Staube heben und in volle Klarheit und in die Freude, die nicht mehr von einem genommen wird, einführen kann.

Barmherzig, gnädig, geduldig sein, uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, heilen, stillen, trösten, erfreun und segnen und unsrer Seele als Freund begegnen ist seine Lust.


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Dieser Text redet nicht nur vom «letzten Feind», dem Tod. Nein, jeder Christ, der seinem Herrn außerhalb des Lagers nachzufolgen wünscht, lernt das Tal der Todesschatten kennen: «Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach» (Matthäus 16,24).

Bist du in diesem Tal angelangt? Stößt der Herr auf Widerstand, wenn Er dein ganzes Leben von dir fordert? Sind die von deiner Familie an dich gestellten Ansprüche oder deine persönlichen Wünsche, so berechtigt sie menschlich gesehen auch sein mögen, ein Grund dauernder, heimlicher Kämpfe in deinem Inneren? Ist die Kraft deines Eigenlebens noch so stark, daß du von einer Krise in die andere gerätst? Dann bist du an dem Ort angekommen, den man Schädelstätte nennt, und dein Herr erwartet jetzt mehr von dir. Der Herr möchte nicht nur dich erfreuen mit gesegneten Begegnungen, sondern Er möchte sich selbst an deiner völligen Hingabe für Ihn erfreuen und dir eine volle Gemeinschaft mit Ihm schenken.

Das Tal der Todesschatten führt nach diesem Psalm zu dem gedeckten Tisch, zu der Salbung mit Öl und zu dem überfließenden Becher … Doch wisse, daß deine unangenehmen Erfahrungen, deine Kämpfe und Klagen solange dauern werden, bis du nachgibst und dein Herr dich dahin führen kann, dir selber zu sterben, dich der Welt, deinem Fleisch und seinen Wünschen gegenüber für tot zu halten, auch den Forderungen deiner Familie und deinen Freunden gegenüber, wenn sie Gegner dieses geheiligten Lebens sind. David sagt: «Und wenn ich auch wanderte durchs Tal der Todesschatten ». Warum also darin stecken bleiben, wenn dein guter Hirte dich hindurchführen möchte? Du mußt es durchwandern und siegreich aus ihm herauskommen!

Sich selber sterben, sich völlig dem Willen des Herrn überlassen, das Kreuz auf sich nehmen, Sein Jünger sein – das ist leicht gesagt. Ist es aber eine Wirklichkeit für uns? Widerstrebe nicht länger, schiebe nicht die Schuld auf andere, laß den Herrn in dir wirken! Das Tal hat einen Ausgang. Wenn du es durchschritten hast, wartet das überströmende Leben in Christus auf dich. Ja, «Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des HERRN immerdar».


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Jedesmal wenn ein Jahr zu Ende geht, überfällt uns die Erkenntnis: „Wie unendlich dunkel ist doch der Weg, den wir gehen müssen." Die einen suchen diese düsteren Gedanken zu zerstreuen, indem sie mit viel Lärm und Alkohol den Schritt ins neue Jahr wagen. Die andern überlassen sich, den dunklen Stimmungen. Wie gut haben es doch die Jünger Jesu! Sie machen sich keine Illusionen. Wenn auch David diesen Psalm jubelnd beginnt, so spricht er es dann doch klar aus, daß auch sein Weg durch dunkle Täler führt. Aber dabei bleibt er nicht stehen. Ein Christ durchbricht die Finsternis, die ihn umgibt, und darf seine Augen aufheben zu dem Herrn Jesus.

Ja, der Herr Jesus ist in diesem Psalm gemeint, wenn vom guten Hirten die Rede ist. Es gibt in der Tat nichts Tröstlicheres als die Gegenwart dieses Herrn. Nun ist ja der Übergang von einem Jahr ins andere noch lange nicht das dunkelste Tal. Viel dunkler ist das Todestal. Es ist doch eine unheimliche Sache, wenn das Lebensschifflein vom Strande abstößt und hineinfährt in das große Schweigen der Ewigkeit! Wenn der liebste Mensch zurückbleibt — und man ist allein mit seiner Fracht. Die Fracht ist viel Schuld, die man aus dem Leben mitbringt. Es muß unheimlich sein, wenn man diese Fahrt allein tun muß. Aber wohl dem, der sprechen kann: „Du bist bei mir." Wie tröstlich ist die Gegenwart des Sünderheilandes, der alle Schuld zudeckt und ewiges Leben schenkt dem, der an Ihn glaubt. Amen.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn Du bist bei mir, Dein Stecken und Stab trösten mich.

Wandern im finstern Tal ist nicht angenehm und doch kann die Stimmung bei solchem Wandern eine gar verschiedene sein, eine getroste und eine trostlose. Es fragt sich eben, wie man in das finstere Tal gekommen sei; ob Sünde jemand hineingebracht hat, oder ob der Herr in das finstere Tal geführt hat. Kommt man durch Sünde, durch Ungehorsam gegen Gott in ein finsteres Tal, so kann es nicht anders sein, als dass man unglücklich ist. Warum? weil Gott in solchem Fall nicht mit uns geht; man steht allein, ohne Licht, ohne Trost, im Elend. Wie oft ist das der Fall! Zwar kann man manchen Schritt tun, ohne sofort zu merken, dass es in die Finsternis hineingeht; denn der Teufel kann einem gar schöne Landschaften vor Augen malen. Es bleibt aber dabei: ohne Gott geht es in die Finsternis hinein. Wer so hineinkommt, muss eben umkehren, etwas anderes bleibt nicht übrig; sobald er umkehrt, wird es wieder Licht. Führt aber der Herr in das finstere Tal, so geht Er mit, und wie ganz anders steht man dann da! Ist Er bei uns, so brauchen wir kein Unglück zu fürchten, er führt nie, nie in das Unglück, sondern in die Freude. Es entspricht aber seiner erzieherischen Weisheit, dass er durch Nacht zum Lichte führt. Bist du durch ihn in ein finsteres Tal gekommen, so will er dich im Glauben üben, im Glauben ohne Schauen. Das kann uns nicht erspart werden. Wir müssen lernen, dem Herrn vertrauen auch in Tagen, in welchen wir kaum einen Schritt weit sehen. Wenn wir nur gewiss sind, dass nicht eigene Lust und Wahl uns auf diese Probestation gebracht hat. Ist der Herr bei uns, so haben wir Stecken und Stab; Seine Verheißungen im Verein mit dem Reichtum erfahrner Gnade sind unser Halt.

Guter Hirte! führe Du mich; ich will Dir folgen. Führst Du mich in ein finsteres Tal, so gib mir Glaubenshalt und Trost. Und komme ich einst in das Todesschattental, so bringe mich zu ewiger Freude vor Deinem Angesicht. Amen