Psalmenkommentar von Charles Haddon Spurgeon

Kommentar & Auslegung zu PSALM 146


Überschrift

Wir befinde uns nun in den Hallelujah-Psalmen. Der noch übrige Teil unserer Reise liegt in dem Lande der "lieblichen Berge", von denen aus die Pilger durch das Fernrohr des Glaubens, wenn ihr Auge dazu taugt, schon die Tore der himmlischen Stadt erblicken können (vergl. Bunyans Pilgerreise). Alles bis zum Schluss des Buches ist lauter Lobpreis. Die Töne gehen hoch, die hell klingende Zimbel hat in der Musik die führende Rolle. O dass unser Herz so recht voll fröhlichen Dankes sei, dass es eile und hüpfe und juble wie diese Psalmen es tun.
  Nach D. J. A. Alexander († 1860) kann man das Lied als aus zwei gleich großen Teilen bestehend ansehen, in deren erstem (V. 1-5) das Glück derer geschildert sei, die sich auf den HERRN und nicht auf Menschen verlassen, wohingegen der andere (V. 6-10) die Gründe zu solchem Gottvertrauen aus den göttlichen Vollkommenheiten ableite. Da jedoch eigentlich gar kein Einschnitt vorhanden ist, wollen wir den Psalm auch bei der Betrachtung als Ganzes lassen. Er ist eine Perle, die man nicht zerschneiden kann, ein heiliges Rauchfass voll duftenden Weihrauchs zu Ehren Jehovahs als des einen und alleinigen rechten Helfers.

Auslegung

1. Hallelujah.
Lobe den HERRN, meine Seele!
2. Ich will den HERRN loben, solange ich lebe,
und meinem Gott lobsingen, weil ich hier bin.
3. Verlasset euch nicht auf Fürsten;
sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.
4. Denn des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden;
alsdann sind verloren alle seine Anschläge.
5. Wohl dem, des Hilfe der Gott Jakobs ist,
des Hoffnung auf dem HERRN, seinem Gott, steht,
6. der Himmel, Erde, Meer und alles, was darinnen ist, gemacht hat,
der Glauben hält ewiglich,
7. der Recht schafft denen, so Gewalt leiden,
der die Hungrigen speist.
Der HERR löst die Gefangenen.
8. Der HERR macht die Blinden sehend.
Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind.
Der HERR liebt die Gerechten.
9. Der HERR behütet die Fremdlinge
und erhält Waisen und Witwen
und kehrt zurück den Weg der Gottlosen.
10. Der HERR ist König ewiglich,
dein Gott, Zion, für und für.
Hallelujah!

1. Hallelujah, d. i. Lobet den HERRN. Es macht einen traurig, daran zu denken, wie dies erhabene Wort in der letzten Zeit in den Sumpf gezogen worden ist. Der unehrerbietige Gebrauch desselben ist eine verschlimmerte Form der Sünde, den Namen Jehovahs unnütz zu führen. Wir wollen hoffen, dass es bei den Leuten der roheren Klasse aus Unwissenheit geschehen ist; aber große Verantwortung lastet auf den Leitern, die solch lästerlichen Missbrauch dulden oder gar selber mitmachen. Lasst uns das Wort Hallelujah allezeit mit heiliger Ehrfurcht aussprechen und durch dasselbe uns und alle anderen zur Anbetung des Erhabenen aufrufen, der der Schöpfer und Herr der ganzen Erde ist. Die Menschen bedürfen es, zum Lobe Gottes angespornt zu werden; es ist von großer Wichtigkeit, dass sie den HERRN preisen, und es sind der Gründe viele, dass sie es jetzt, sofort tun. Mögen alle, die dies Silberglöcklein "Hallelujah" läuten hören, alsbald miteinander heiligen Lobpreis anheben.
  Lobe den HERRN, meine Seele. Der Psalmist wünscht selber zu tun, was er andern gepredigt hat. Er ist gerne der Vorsänger in der Gemeine der Lobenden, die er zusammengerufen hat. Es ist ein armseliges Geschäft, nur andere zu ermahnen, während man die eigene Seele nicht aus ihrer Trägheit aufrüttelt. Es ist ein übel Ding, andern zu sagen: "Lobet den Herrn" und dabei nie hinzuzufügen: "Lobe ihn, meine Seele". Wenn wir im Begriff sind, Gott zu preisen, dann lasst uns unser innerstes Ich den Mittelpunkt unserer ganzen Persönlichkeit dazu erwecken; wir haben nur eine Seele, und ist sie von dem ewigen Zorn gerettet, so hat sie die heilige Pflicht, ihren Retter zu preisen. Kommt, all ihr Seelenkräfte, all mein Denken, Fühlen, Wollen, lasset eure Flammen lodern, schließt euch zusammen zu einem Feuer seliger Anbetung. Wenn je ein Menschenkind verpflichtet war, den HERRN zu preisen und zu loben, so bin ich dies Menschenkind; möge denn das bessere Ich in mir mein ganzes Wesen zu solch höchstem liebendem Lobpreis anspornen. "Ach, dass meine Harfe besser wäre!" Sag’ lieber: "O dass mein Herz mehr geheiligt, mehr Gott geweiht wäre!" Wenn meine Stimme dann auch nicht so vorzüglich, nicht so kräftig, so rein und so melodisch ist, so wird meine Seele doch, im Notfall selbst ohne die Stimme, meinen Entschluss ausführen, den HERRN zu preisen.

2. Ich will den HERRN loben, solange ich lebe. Ich werde nicht immer hier leben. Dies sterbliche Leben wird ein Ende finden, aber solange es dauert, will ich Jehovah preisen. Ich kann’s nicht sagen, wie lang oder wie kurz mein Leben sein mag; aber jede Stunde desselben soll dem Ruhm meines Gottes geweiht sein. Solange ich lebe, will ich lieben, und solange ich den Odem habe, will ich loben. Es ist ja nur für eine Weile, und diese kostbare Zeit will ich nicht in eitlem Müßiggang vertändeln, sondern in dem Dienste verwenden, dem die Ewigkeit geweiht sein wird. Da unser Leben ein Geschenk der Gnade Gottes ist, sollte es auch zu Gottes Verherrlichung angewendet werden. Und meinem Gott lobsingen, weil (= solange) ich bin.1 Wenn ich nicht mehr auf Erden bin, dann hoffe ich ein höheres Sein im Himmel zu haben, und dort werde ich das Lobsingen besser können als hienieden. Jetzt mischt sich noch manchmal Seufzen ins Singen hinein; aber das kann und wird nicht so bleiben, mein Leben soll noch ein ununterbrochener Lobgesang werden. Das "weil ich bin" wird eine lange Weile sein, aber jeder Augenblick davon soll mit Anbetung ausgefüllt sein; ist doch der hoch erhabene Jehovah mein Gott, mein, weil er sich mir zu Eigen gegeben und mich ihm zu Eigen gemacht hat. In ihm lebe, webe und bin ich, ich habe gar kein Sein und Leben außer ihm; darum will ich auch gar nicht versuchen, mein Leben anders zu genießen, als indem ich zu seiner Ehre singe. Zweimal spricht der Psalmist in diesem Verse seinen Willensentschluss aus, Gott zu loben; seine Nachgedanken sind ebenso gut wie der erste frische Herzenserguss. Wir können in dem heiligen Entschlusse, den HERRN zu preisen, nicht zu fest und standhaft sein; denn es ist der vornehmste Zweck unseres ganzen Daseins, Gott zu verherrlichen und in solchem Lobe Gottes ewig selig zu sein.

3. Verlasset euch nicht auf Fürsten. Das war eine der verhängnisvollsten Sünden Israels, dass es auf die mächtigen Herrscher der Weltreiche seine Hoffnung setzte und so die lebendige Quelle verließ und sich selbst löcherichte Brunnen grub, die doch kein Wasser halten, sondern in der Dürre den Durstigen schmählich trügen. Die Menschen sind stets nur zu sehr geneigt, sich an die Großen der Erde zu hängen und den einen Großen droben zu vergessen, und diese Gewohnheit ist eine Ursache vieler bitterer Enttäuschungen. Fürsten sind nur Menschen, Menschen von größerer Bedürftigkeit als andere; wie sollten wir denn von ihnen Hilfe erwarten? Sie stehen in größeren Gefahren, sind mit größeren Sorgen beladen und werden eher irregeleitet als gewöhnliche Menschen; darum ist es eine Torheit, sie zu unserer Zuversicht zu erwählen. Es ist vielleicht keine Klasse von Menschen ihren Versprechungen und Bündnissen im Durchschnitt so untreu gewesen wie die Menschen von königlichem Blute. Lebe du so, dass du ihres Vertrauens würdig bist, aber beschwere sie nicht, indem du dich an sie hängst mit einem Vertrauen, das nur Gott gebührt. Wir vergessen nicht, dass es unter den Trägern von Kronen edle Männer gegeben hat und gibt, die ihren hohen Beruf mit ganzer Treue zu erfüllen gesucht haben; aber gerade sie würden diesen Psalmvers doppelt unterstreichen, und täten sie es nicht, so würde ihre Geschichte es tun, indem sie in erschütternder Weise es lehrte und lehren müsste, dass auch die besten, edelsten Fürsten nur Menschen sind, die ja nicht helfen können. Wörtlich lauten diese nun folgenden Worte: (Verlasset euch nicht) auf ein Menschenkind, das keine Hilfe hat , die es leisten könnte. Wenn du auch einen Menschen aus den vielen auswähltest in der Hoffnung, dass er sich von den übrigen unterscheiden werde und man auf ihn seine Zuversicht setzen könne, so wirst du erfahren, dass das ein Irrtum ist. Es ist keiner unter ihnen allen, auf den man sich verlassen darf, nein, nicht einer. Adam fiel; darum stütze dich nicht auf seine Söhne. Der Mensch ist ohne Gott ein hilfloses Geschöpf; darum erwarte deine Hilfe nicht von dieser Seite. Alle Menschen gleichen den wenigen, die die Fürstenkrone tragen: sie scheinen mehr zu sein, als sie in Wirklichkeit sind, sie sind größer im Versprechen als im Halten, sie sind von Natur mehr geneigt, für sich selber zu sorgen, als andern zu helfen. Wie viele haben sich schon mit tief verwundetem Herzen von Menschen abgewandt, auf die sie einst ihr Vertrauen setzten. Noch nie hingegen hat das aufrichtige Vertrauen auf Gott so geendet. Er ist eine Hilfe, in Nöten bewährt erfunden (Ps. 46,2). Bei dem Menschen ist keine Hilfe zu finden in Zeiten der Niedergeschlagenheit, an Tagen, wo wir, unseres Liebsten beraubt, uns schmerzlich vereinsamt fühlen, in der Nacht der Leiden, und zumal wenn wir unter der Überzeugung der Sünde darniederliegen, oder in der Stunde des Todes. Wie schrecklich, dann, wenn wir der Hilfe am dringendsten bedürfen, diese düsteren Worte, von unsichtbarer Hand geschrieben, lesen zu müssen: Keine Hilfe!

4. Denn des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden, oder wörtlich: Sein Odem fährt aus, er (der Mensch) kehrt zu seinem Erdreich zurück. Sein Odem geht aus seinem Leibe aus, und sein Leib geht in das Grab. Sein Geist geht den einen Weg, sein Körper einen andern. So hoch er auch gestellt gewesen sein mag, der Mangel von ein wenig Luft bringt ihn zu Boden und unter den Boden hinunter. Der Mensch ist von der Erde genommen und kehrt wieder zur Erde zurück; sie ist Mutter und Schwester seines Leibes, und es entspricht der Natur der Sache, dass er unter dieser Verwandtschaft wohnen muss, sobald der Geist, der ihn belebte, ihn verlassen hat. Es gibt einen Geist im Menschen, und wenn der geht, dann geht auch der Mensch. Der Geist kehrt wieder zu Gott, der ihn gegeben hat, und das Fleisch zu dem Staube, aus dem es gebildet worden. Fürwahr ein armes Geschöpf, um darauf sein Vertrauen zu setzen: der sterbende, verwesende Mensch. Die Hoffnungen müssen sicher zu Boden fallen, die auf den Menschen gebaut werden, der bald unterm Boden liegt!
  Alsdann, wörtl.: am selben Tage, sind verloren (gehen zugrunde) alle seine Anschläge. Was immer er zu tun sich vorgenommen haben mag, all seine Vorsätze enden in Rauch, in nichts. Er selber, der da als toter Leichnam liegt, kann nicht mehr denken, und was er gedacht, das kann sich ohne ihn nicht zur Ausführung bringen, so stirbt es denn auch. Nun er dahin ist, sind die Menschen schnell genug bereit, seine Gedanken und Pläne mit ihm in die Vergessenheit dahingehen zu lassen; ein anderer Denker und Plänemacher tritt auf und gibt die Gedanken seines Vorgängers der Geringschätzung, ja der Lächerlichkeit preis. Es ist ein kläglich Ding, Fürsten oder irgendwelchen andern Menschen in der Hoffnung zu dienen, dass sie an uns denken werden. ,In einer Stunde sind sie dahin, und wo sind dann ihre Pläne oder Versprechungen, uns zu befördern? Ein Tag hat allen ihren Anschlägen ein Ende gemacht, indem er ihnen selber ein Ende machte, und mit allem, was wir erhofft, ist’s aus, denn mit ihren Gedanken ist es auch aus. Die ehrgeizigen Pläne, die kühnen Erwartungen, die festen Versprechungen, all die großsprecherischen Reden verflüchtigen sich zu Luft, wenn der Lebensodem den Körper verlässt. Das ist der ganze Besitz eines Menschen - wahrlich kein großes Vermögen -: sein Odem, sein bisschen Erde, aus dem sein Leib besteht, und seine Anschläge oder Gedanken. Und wie geht’s ihm mit diesem Besitz? (Man beachte die Steigerung:) Sein Odem fährt aus, sein Leib kehrt zu seinem Erdreich zurück, d. i. er wird wieder zu Erde, und seine Anschläge gehen zugrunde, lösen sich in nichts auf. Ist das ein Wesen, auf das man seine Zuversicht setzen kann? Eitelkeit der Eitelkeiten, nichts als Eitelkeit! Daraus bauen wäre eine noch größere Eitelkeit.

5. Wohl dem. Zum sechsundzwanzigsten und letzten Male im Psalter tönt uns dies beglückende Wort hier entgegen. Wohl dem, des Hilfe der Gott Jakobs ist. Er hat das wahre Glück; ihm allein ist bekannt, was wahre, wirkliche Glückseligkeit ist, und ihm geht es gut, er hat eine Zukunst. Der Gott Jakobs ist der Bundesgott, der Gott, den das Flehen überwindet, der Gott des vielgeprüften, bewährten Gläubigen, der allein wahre und lebendige Gott. Der Gott Jakobs ist der Jehovah, der dem Mose erschien und die Stämme Jakobs aus Ägypten führte und durch die Wüste leitete. Wohl allen, die auf ihn trauen, denn sie werden nimmer zu Schanden werden. Der HERR stirbt nicht, auch gehen seine Anschläge nicht zugrunde; sein Vorsatz der Gnade währet wie er selber von Ewigkeit zu Ewigkeit. Hallelujah! Des Hoffnung auf dem HERRN, seinem Gott, steht. Er ist glückselig, wie in Erfahrung der Hilfe in der Gegenwart so in der Hoffnung für die Zukunft, er, der sein ganzes Vertrauen auf den Ewigen, den Gott der Gnade und der Treue, gründet, der sein Gott ist kraft eines unveränderlichen Bundes. Glückselig ist er, wenn andere verzagen und verzweifeln. Am allerglücklichsten wird er in eben der Stunde sein, wo andere in den Tiefen der Todesnot versinken. Es liegt in diesen Worten ein Zeugnis vor uns, das wir aus persönlicher Erfahrung als wahr bestätigen können. Indem wir unsere Zuversicht auf den HERRN setzen, kennen wir ein Glück, das unbeschreiblich, unvergleichlich, für den Verstand überhaupt unfasslich ist. O wie köstlich ist es, diesen Gott zu kennen als unsere gegenwärtige Hilfe und als unsere ewige Hoffnung! Volle Gewissheit der Seligkeit ist mehr als in der Knospe noch verborgene Himmelswonne; die Blüte hat schon angefangen, sich zu öffnen. Wir wollten mit keinem Cäsar tauschen; seine Krone ist nur ein Flitter, unser Glück ein wahrer Schatz.
  In jedem der beiden hier Gott beigelegten Namen: der Gott Jakobs und Jehovah, sein Gott , ist eine besondere Süße. Der eine wie der andere hat eine Quelle der Freude in sich; aber der erste wird uns nicht wirklich erfreuen ohne den zweiten. Wem Jehovah nicht sein Gott ist, der kann keinen Grund der Zuversicht finden in der Tatsache, dass Jehovah der Gott Jakobs war. Doch wenn wir durch den Glauben wissen, dass Gott unser ist, dann wissen wir, was glücklich sein heißt - ein Ding, von dessen wahrer Bedeutung die Welt wenig Ahnung hat.

6. Der Himmel, Erde, Meer und alles, was darinnen ist, gemacht hat. Es rechtfertigt sich vor dem Verstande als weise, dass wir dem Schöpfer vertrauen; mit Recht dürfen wir erwarten, damit glücklich zu fahren. Er, der die Himmel gemacht hat, kann auch für uns einen Himmel bereiten und uns für den Himmel bereiten. Er, der die Erde gemacht hat, hat auch Macht, uns zu bewahren, während wir auf Erden sind, und kann uns helfen, von der Erde einen guten Gebrauch zu machen, solange wir auf ihr wohnen. Er, der das Meer gemacht hat und alle die geheimnisvolle Fülle, die es birgt2 , der vermag auch unser Schifflein über die pfadlosen Tiefen eines bewegten Lebens zu steuern und den Grund des Meeres zum Wege zu machen, dass seine Erlösten dadurch gehen (Jes. 51,10). Dieser Gott, der noch immer die Welt trägt und erhält, ist sicherlich vermögend, auch uns zu erhalten und zu bewahren und zu seinem ewigen Reiche und zu seiner Herrlichkeit zu bringen. Die Erschaffung der Welten ist der ständige Beweis von der Macht und Weisheit des großen Gottes, auf den wir vertrauen. Wir freuen uns, dass er nicht nur den Himmel, sondern auch das Meer gemacht hat - nicht nur herrliche, köstliche Dinge, sondern auch solche, die tief und dunkel sind. Wo immer wir seien und in welcher Lage wir uns auch befinden mögen, wir dürfen sprechen: Der HERR ist da, er waltet über uns. In Sturm und Wetter regiert der HERR ebenso wirklich wie in der großen Stille, die am Firmament droben herrscht. Der Glauben (Treue) hält ewiglich. Dies ist die zweite, höchst kraftvolle Rechtfertigung unseres Vertrauens: der HERR wird nie zulassen, dass seine Verheißungen zunichte werden. Er wahrt die Wahrheit seines Wortes. Er ist treu seinem eigenen Wesen, treu den Beziehungen, in die er einzutreten geruht hat, treu dem Bunde, den er geschlossen, treu dem Wort, das er gesprochen, treu dem Sohne, den er uns zum Heiland gegeben hat. Er hält Glauben und ist der Erhalter aller, die ihm glauben. Unwandelbare Treue ist ein hervorstechender Zug in dem ganzen Wesen und Walten Jehovahs. Niemand kann ihn einer Lüge oder des Wankelmutes zeihen.

7. Der Recht schafft denen, so Gewalt (Unterdrückung) leiden. Er ist ein schneller und unparteiischer Verwalter der Gerechtigkeit. Unser König übertrifft alle irdischen Fürsten, weil er in keinem Falle Rang oder Reichtum huldigt und es bei ihm schlechterdings kein Ansehen der Person gibt. Er ist der Freund der Unterdrückten und zu Boden Getretenen, der Rächer der Verfolgten, der Verteidiger der Wehrlosen. Ruhig dürfen wir einem solchen Richter unsere Sache anvertrauen, wenn sie eine gerechte ist; wohl uns, dass wir unter dem Zepter eines solchen Herrschers leben. Leiden wir unter schlechter Behandlung? Versagt man uns unser gutes Recht? Oder werden wir verleumdet? Dann lasst uns den Trost zu Herzen fassen, dass der Hohe und Allmächtige, der auf dem Throne sitzt, nicht nur an unsere Sache denken, sondern sich aufmachen wird, um uns zugute das Recht zu verwalten. Der die Hungrigen speist. O welch herrlicher König bist du, Jehovah! Du missest nicht nur das Recht aus, jedem nach Gebühr, sondern du teilst auch Wohltaten aus! Alle Speise kommt ja von Gott; aber wenn wir so weit herunterkommen, dass wir erfahren, was Hunger ist, und die Vorsehung uns dann mit Brot versorgt, dann wird uns diese Wahrheit besonders deutlich. Möge jeder Hungrige diese bestimmte Erklärung im Glauben erfassen und sich vor dem Gnadenthron auf sie berufen, ob er nun an leiblichem oder an Seelen-Hunger leide. Siehe, wie unser Gott seine besten Kunden unter den Allergeringsten findet: die Unterdrückten und die Hungerleider finden Hilfe bei dem Gott Jakobs. Der HERR löst die Gefangenen. Damit wird der dreifache Segen vollständig: Recht, Brot und Freiheit. Jehovah mag Menschen nicht in dunklen Kerkern und in Fesseln schmachten sehen. Er führte Joseph aus dem Gefängnis und Israel aus dem Diensthause. Jesus ist der große Befreier in geistlicher, sozialer und nationaler Beziehung. Deine Ketten o Afrika, sind durch seine Hand zerbrochen! Je mehr der Glaube an Jehovah sich unter den Menschen ausbreitet, desto mehr wird auch die Freiheit in jeder ihrer Gestalten fortschreiten, insbesondere werden intellektuelle, moralische und geistliche Ketten brechen und die Sklaven des Irrtums, der Sünde und des Todes befreit werden. Der Psalmist hatte wahrlich Grund, den Ewigen zu preisen, der den Menschen, die in Banden sind, so viel Güte erweist. Und es gebührt sich, dass die Gebundenen, die gelöst worden sind, am herzhaftesten in den Lobgesang einstimmen.

8. Der HERR macht die Blinden sehend. Jesus hat das oft getan und damit bewiesen, dass er in der Kraft des HERRN wirkte. Der das Auge gemacht hat, der kann es auch den Blinden öffnen, und wenn er es tut, so dient das zu seiner besonderen Verherrlichung. Wie ist das innere Auge der Menschen mit Blindheit geschlagen, so dass es nicht einmal Schwarz von Weiß unterscheiden kann, und wer anders als der Allmächtige vermag diese traurige Wirkung der Sünde zu beheben? Dies Wunder der Gnade hat er in tausend und aber tausend Fällen zustande gebracht, und in jedem einzelnen Fall ist es ein Anlass tiefen Dankes und jubelnden Lobpreises. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Auch das hat Jesus (sogar buchstäblich) getan und damit ein Gott besonders eigentümliches Werk ausgeführt. Jehovah tröstet die Vereinsamten, flößt den Enttäuschten neue Hoffnung ein, erquickt die Zagenden, richtet auf die Verzweifelnden. Mögen alle, die am Boden liegen, ihn anrufen; er wird ihnen liebreich mit geschickter Hand wieder aufhelfen. Der HERR liebt die Gerechten. Er wendet ihnen die Liebe des Wohlgefallens und der trauten Gemeinschaft zu, hilft ihnen von ihren Widersachern und belohnt sie für das, was sie um seinetwillen getan und erduldet haben. Schlechte Könige begünstigen gewissenlose, ihren Gelüsten willfährige Menschen; Jehovah hingegen macht die Gerechten zu seinen Günstlingen. Das ist ein Stück seiner Ehre. Mögen die, welche das unschätzbare Vorrecht seiner huldvollen Liebe genießen, seinen Namen mit begeisterter Freude verherrlichen. Ihr Kinder des Höchsten, preist seine Gnade! Ihr dürft nimmer aufhören, dem zu lobsingen, dessen unendliche Liebe euch zu dem gemacht hat, was ihr seid.

9. Der HERR behütet die Fremdlinge. Manche irdische Herrscher haben die Fremdlinge wie Tiere niedergeknallt oder von Ort zu Ort gejagt und sie als der Menschenrechte unwert behandelt; Jehovah hingegen hat sie in dem Lande, wo sein Gesetz das Landrecht war, besonderer Schutzgesetze gewürdigt. Bei uns wurden und werden oft noch heute die Fremden mit einer vorurteilsvollen Geringschätzung behandelt, die mit den Grundsätzen der Religion, zu der wir uns bekennen, in grellem Widerspruch steht. Unser Gott und König stellt sich nie fremd und kalt gegen irgendeines seiner Geschöpfe, welchem Volk und welcher Rasse es auch angehören mag, und wenn eins derselben in einsamer oder bedrängter Lage ist, so wendet er ihm seinen besonderen Schutz und seine Hilfe zu. Und erhält Waisen und Witwen. Diese erregen sein Mitleid, und er erweist es in wirksamer Weise, indem er ihnen in ihrer hilflosen Lage beisteht, ihnen aufhilft und sie aufrecht hält. Das Gesetz Moses traf besondere Fürsorge für diese armen Verlassenen. Wenn das Kind keinen irdischen Vater mehr hat, fällt es dem anheim, der als Schöpfer das erste, ursprüngliche Vaterrecht hat, von dem das des irdischen Vaters nur abgeleitet ist, und wenn der Witwe der Gatte genommen ist, der ihre irdische Stütze war, so darf sie sich der Fürsorge ihres Schöpfers mit rückhaltlosem Glauben anvertrauen. Und kehrt zurück den Weg der Gottlosen. Er lenkt ihren Weg ab von dem Ziel, das sie sich gesteckt hatten, und lässt sie zu dem gelangen, was sie gerne gemieden hätten. Er krümmt ihren Weg, dass er in die Irre und in den Abgrund führt. Der Gottlose geht selber krumme Wege und führt andere gerne krumme Wege, und nun vergilt der HERR ihm mit dem Gleichen. Alles geht dem schief, der selber nicht aufrichtig ist, und das Ende ist Verderben.

10. Der HERR ist König ewiglich. Sein Reich kann nie untergehen. Weder stirbt er noch entsagt er dem Throne, noch nimmt ihm jemand seine Krone mit Gewalt. Preis sei ihm, sein Thron ist nie in Gefahr. Wie er ewig lebt, so herrscht er auch als König ewiglich. Dein Gott, Zion, für und für. Zions Gott, der Gott seines ihn anbetenden Volkes, ist es, der durch alle Geschlechter (wörtl.) herrschen wird. Es wird stets ein Zion geben, und Zion wird stets Jehovah zum König haben; seinem Zion zum Besten wird er sich allezeit als mit Macht herrschend erweisen. Was sollten wir in der Gegenwart eines so erhabenen Königs tun, als mit Loben zu seinen Vorhöfen eingehen und ihm dankbar und fröhlich huldigen? Hallelujah, d. i.: Lobet den HERRN! Noch einmal erscholl, wenn im Tempel dieser Psalm gesungen ward, ein mächtiges Hallelujah. Abermals stieg der Weihrauchduft der Anbetung aus goldener Schale auf. Und wir - sind wir nicht bereit, frohlockend in diesen Lobgesang einzustimmen? Der Psalm schließt hier, nicht aber endet damit das Lob des HERRN, das durch alle Geschlechter und in die Ewigkeit der Ewigkeiten zu dem Thron des Höchsten emporsteigen wird. Hallelujah! Amen!

Erläuterungen und Kernworte

Zu Psalm 146-148. In LXX haben diese Psalmen alle vier die Aufschrift "Hallelujah. Des Haggai und Sacharja ". Sie scheinen in der alten Liturgie des zweiten Tempels ein besonderes, auf diese Propheten zurückgeführtes Hallel gebildet zu haben. Sie wurden später nebst Ps. 149 und Ps. 150 ein Bestandteil des täglichen Morgengebetes und heißen auch im Talmud einmal "Hallel", jedoch ausdrücklich unterschieden von dem am Passah und andern Festen zu rezitierenden, die Psalmen 113-118 umfassenden Hallel. Nach Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.
  Zu Psalm 146-150. Nach all dem mannigfaltigen, die mancherlei wechselnden Geschicke, durch die die Einzelnen und die Gemeinde hindurchmussten, abspiegelnden Inhalt der bisherigen Psalmen enthält die letzte Serie lauter Lobpreis und ist ein großes Hallelujah. Ehe die alte Kirche aufhört, zu uns zu reden, jetzt, wo sie im Begriff ist, ihre Leier hinzulegen, sind die letzten Akkorde, mit denen sie uns erfreut, Himmelsklänge. Es ist, als sei ihre Ritterschaft schon zu Ende, der Kampf vorbei, und als genösse sie schon voraus das Neue, das Gott zu schaffen im Begriff war und wodurch die Gemeinde hienieden schon als Gemeine des Neuen Bundes zu einer ganz andern Herrlichkeit kommen sollte, oder aber als genösse sie wie ihr und ich, wenn wir an die Pforte der Ewigkeit kommen, es will’s Gott tun werden, schon voraus den Lobpreis, der die ewige Beschäftigung und selige Ruhe der Erlösten am Throne Gottes sein wird. Th. Binney † 1874.

V. 2. Ich will den HERRN loben, solange ich lebe usw. John Janeway (ein ganz hervorragender Prediger, der schon mit dreiundzwanzig Jahren 1657 starb) rief auf seinem Sterbebette aus: "Kommt, ihr Lieben, helft mir, den HERRN loben! Aber ach, alles ist noch zu wenig! Kommt, helft mir, ihr mächtigen, herrlichen Engel alle, die ihr so wohl geübt seid in dem Himmelswerk des Lobpreises! Lobet ihn, ihr Geschöpfe alle auf Erden! Lasst alles, was Leben und Dasein hat, mir helfen, Gott zu preisen. Hallelujah! Hallelujah! Hallelujah! Gott zu loben ist nun mein Geschäft, und ich werde mit diesem köstlichen Werk beschäftigt sein jetzt und immerdar. Bringt die Bibel her; schlagt Davids Psalmen auf und lasst uns einen Lobpsalm singen. Kommt, lasst uns unsere Stimmen erheben zum Preise des Höchsten. Ich will mit euch singen, solange mein Odem noch währt, und wenn ich keinen mehr habe, dann werde ich’s besser machen." C. Spurgeon 1885.
  Als einige gottselige Brüder den Georg Carpenter, einen 1527 um seines Glaubens willen in München zum Feuertode verurteilten evangelischen Prediger, baten, er möchte ihnen, wenn er in den Flammen des Scheiterhaufens sei, irgendein Zeichen seiner Standhaftigkeit geben, erwiderte er: "Lasset dies euch ein gewisses Zeichen meines Glaubens und meines Beharrens in der Wahrheit sein, dass ich, solange ich meinen Mund noch auftun oder noch flüstern kann, nicht aufhören will, Gott zu preisen und die Wahrheit des Evangeliums zu bekennen." Das hat er, nach meinem Gewährsmann, auch getan, und das Gleiche hören wir ja von vielen andern Blutzeugen. John Trapp † 1669.
  Solange ich bin. (Wörtl.) Lasst uns den HERRN beständig für seine Erweisungen rettender Gnade preisen. Manche sind wohl zum Dank gestimmt, solange die Erinnerung an irgendeine besondere Hilfe noch frisch ist, lassen aber bald nach. Die Karthager pflegten zuerst den zehnten Teil ihres jährlichen Einkommens dem Herkules zu senden; allmählich aber ließen sie nach und hörten schließlich ganz damit auf. Wir sollen es nicht so machen. Unser Danken und Preisen soll sein wie der Pulsschlag unseres Herzens, der nie aufhört, solange unser Leben währt. Thomas Watson † 1690.
V. 3. Verlasset euch nicht auf Fürsten. Manche wollen mit Hitzig, weil V. 4 unseres Psalms in 1.Makk. 2,63 anklingt, den Psalm in die griechische Zeit herabsetzen. Anlass aber, vom Vertrauen auf Fürsten abzuraten, war in der persischen Zeit des Esra und Nehemia nicht minder gegeben als in der späteren griechischen. - Nach Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.
  Durch eine eigentümliche Schwäche verzagt die Seele des Menschen, sobald sie in Bedrängnis kommt, an Gott und sucht an Menschen ihren Halt. Sagst du jemand, der in Not ist: "Ich weiß einen angesehenen Mann, der dir aus der Not helfen wird", so hellt sich alsbald sein Angesicht auf, er wird fröhlich und gutes Muts. Sagst du ihm jedoch: "Gott will dir helfen", so fröstelt ihn vor Verzagtheit! O Mensch, der Beistand eines Sterblichen wird dir versprochen, und du wirst fröhlich darüber - der Beistand des Unsterblichen wird dir verbürgt, und du bist und bleibst traurig? Es wird dir verheißen, du sollest aus der Not befreit werden durch einen, der geradeso des Beistandes und der Rettung aus Nöten bedarf wie du, und du jubelst darüber als über eine große Hilfe - und es wird dir verheißen, dass der große Befreier, der niemandes zu seinem Beistande bedarf und der nie in Verlegenheit oder Gefahr kommt, dich aus der Not erlösen werde, und du verzagst, als ob das nur ein Märchen wäre? Wehe solchen Gedanken; es sind weit abirrende Gedanken, trauriger, schrecklicher Tod ist in ihnen. Aurelius Augustinus †430.
  Es ist ein ander Ding, Wohltaten empfangen von Menschen, und dem Menschen vertrauen oder sich auf ihn verlassen. Von Fürsten, Predigern und Eltern soll ich’s als von Kreaturen empfangen, wiewohl mir’s Gott der HERR durch sie gibt; aber sie fürchten und vertrauen auf sie, als wäre kein Gott, das ist nicht zu tun, da sollt’ ich sagen: Was recht ist, dabei will ich bleiben, Gott gebe es, es zürne Fürst, Herr, Vater oder Mutter. D. Martin Luther † 1546.
  Karl I. von England hatte dem Grafen Strafford feierlich sein Königswort gegeben, dass er "an Leben, Ehre und Vermögen" keinen Schaden leiden solle; aber, durch einen Aufruhr des irregeleiteten Volkes gedrängt, gab er mit unerhörter Treulosigkeit und Undankbarkeit und kurzsichtiger Staatsklugheit dennoch schließlich am 8. Mai 1641 seine Unterschrift zu dem ungerechten Todesurteil, das das Oberhaus, ebenfalls aus Furcht vor der öffentlichen Meinung, gefällt hatte. Als Strafford dies vernahm, sprach er, die Hand aufs Herz legend und den Blick gen Himmel richtend: "Verlasset euch nicht auf Fürsten, noch auf Menschen, bei denen ja keine Hilfe ist." James Taylor 1868.
  Ja, möchte einer sagen, es wäre eine Torheit, auf schwache Fürsten zu vertrauen, die keine Macht haben zu helfen; wir wollen auf starke Fürsten vertrauen, bei denen werden wir wohl Hilfe finden. Merke wohl: die Worte: "die nicht helfen können" wollen nicht einen Unterschied machen zwischen schwachen und starken Fürsten, sondern bezeugen von allen ohne Ausnahme, auch von den mächtigsten, dass sie nicht zu helfen imstande seien. Wenn der Vers von gemeinen Menschen nur redete, dann könnte die fleischliche Vernunft ihn begreifen; aber von Fürsten, und von einem wie dem andern ohne Unterschied und Ausnahme, wer glaubt es da? Doch ist’s göttliche Wahrheit: Keine Hilfe ist bei ihnen! Joseph Caryl † 1673.
  Menschen, die können ja nicht helfen. Wenn ein Mensch den andern zu seiner Zuversicht macht, das ist gerade, wie wenn ein Bettler von dem andern ein Almosen erbäte, oder wenn ein Lahmer den andern tragen, ein Blinder den Blinden leiten wollte. Anthony Farindon † 1658.
V. 3.4. Sieh, die ersten wie die letzten, die höchsten wie die niedersten unter allen Nachkommen Adams, und wenn sie hochangesehene Fürsten wären, sie sind doch alle von Geburt an Sünder: "Menschenkinder", von Geburt an ohnmächtig: "sie können ja nicht helfen", von Geburt an sterblich: ihr "Geist muss davon", von Geburt an verweslich: sie "müssen wieder zu Erde werden ", und endlich erstreckt sich diese Sterblichkeit und Verweslichkeit nicht nur auf ihr Fleisch, sondern auch auf ihre Gedanken und Pläne: auch "mit ihren Anschlägen ist’s am selben Tage aus ", wenn dies ihr kurzes Leben vorbei ist. Der Psalmist steigt also, wenn du genau zusiehst, von Stufe zu Stufe dazu auf, die hervorragendsten, einflussreichsten Männer als ohnmächtig zu erweisen, und mit ihnen zugleich natürlich auch die übrigen; denn wenn man sich auf Fürsten nicht verlassen darf, wieviel weniger dürfen wir dann geringere Menschen zu unserer Zuversicht machen! Die Worte sind in unserem Verse so geordnet, dass jeder folgende Satzteil den Grund zu dem Vorangehenden oder eine Bestätigung des Vorangehenden bietet. "Verlasset euch nicht auf Fürsten." Warum nicht? "Sie sind Menschen, Adamssöhne." Warum sollen wir uns auf Menschen nicht verlassen? "Sie können ja nicht helfen." Warum können sie nicht helfen? "Weil der Mensch, wenn sein Odem ausfährt, wieder zu Erde wird." Was machte, ob sein Fleisch auch verwest? "Ja, aber auch seine Anschläge sind dann alle verloren." John King † 1621.
V. 4. Sein Odem oder sein Geist. Die erste Bedeutung Hauch, Odem, und die zweite, Geist, gehen bekanntlich bei dem hebräischen Worte ruach (wie bei den entsprechenden griechischen und lateinischen Wörtern pneuma und spiritus) ineinander über, so dass wir beliebig die eine oder die andere in der Übersetzung anwenden können, ohne die andere damit auszuschließen. D. J. A. Alexander † 1860.
  Aus dem Grundtexte geht klar hervor, dass nicht des Menschen Geist, sondern der sterbliche Teil des Menschen zum Staube zurückkehrt. Sein Odem (im Hebr. weiblich) geht aus (von dem Leibe, nach Pred. 12,7 zu Gott); so kehrt er ([im Hebr. männlich] der sterbliche Mensch von Erden) zu seiner Erde, d. i. zu dem Erdstoff, daraus er gebildet ist, zurück. Simon de Muis † 1644.
  Er kehrt zu seiner Erde zurück. (Wörtl.) Die Erde - nicht die terra, der Weltkörper, sondern der humus, der Erdstoff, der Staub (Ps. 104,35) - ist "sein". 1) Die Erde ist sein als das, woraus er gemacht ist (1. Mose 2,7): er kehrt wieder zu dem, was er war (1. Mose 3,19). 2) Die Erde, der Staub, das Grab ist sein als sein Heim, als die Stätte, wo er wohnen wird. 3) Die Erde ist sein als der einzige Besitz, auf den er eine Anwartschaft hat. Alles, was ein Mensch - sei er ein Fürst, ein mächtiger Monarch, ein Großgrundbesitzer, ein Millionär oder was immer - in Kürze besitzen wird, ist sein Grab, die wenigen Fuß Erde. Das wird sein Eigentum sein kraft des Ersitzungsrechtes, durch die Tatsache, dass er es gegenwärtig innehat und kein anderer. Aber auch das kann bald eines andern Menschen Grab werden, so dass er auch hier tatsächlich nur zeitweiliger Inhaber ist, selbst diese paar Fuß Erde nur als Lehnsmann für eine Weile in Pacht hat. Nicht einmal ein Grab hat also der Mensch in dauerndem Besitz! Albert Barnes † 1870.
  Am selben Tage sind verloren (gehen zugrunde) seine Anschläge. Wie manches Beispiel finden wir dazu in der Schrift, etliche in hochdichterischer Sprache geschildert. "Der Feind gedachte: Ich will nachjagen und erhaschen und den Raub austeilen und meinen Mut an ihnen kühlen, meine Hand soll sie verderben! - Da ließest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie, und sie sanken unter wie Blei im mächtigen Wasser." (2. Mose 15,9.10 .) Am selben Tage gingen zugrunde ihre Anschläge! "Sicher fanden sie, teilten sie Beute, einem jeglichen Manne ein Mädchen oder zwei, und bunte gestickte Kleider als Beute für Sisera, gestickte bunte Kleider als Beute! - Also müssen umkommen, HERR, alle deine Feinde!" (Richter 5,30 f.) Th. Binney † 1874
  In dem Falle des reichen Toren (Lk. 12,16.20) gingen dessen Entwürfe und Gedanken vom Bauen größerer Scheunen und von vielen Jahren der Ruhe und Wohlhäbigkeit, alle seine selbstsüchtigen und weltlichen Pläne, in eben jener Nacht zugrunde. John W. Haley 1875.
  Die "unumstößlichen" Ergebnisse der Wissenschaft, die glänzenden philosophischen Systeme, die viel bewunderte staatsmännische Kunst des einen Zeitalters wird im nächsten ausgepfiffen. Die Männer, die heute die Geisteshelden der Welt sind, werden morgen entthront und ihres Ruhmeskranzes beraubt. In unserem heutigen rastlosen, rasend schnell lebenden und wechselnden Zeitalter ist’s leicht möglich, dass ein Mensch seine eigenen Gedanken und Anschläge überlebt; aber seine Gedanken und Anschläge überleben ihn nicht! J. J. St. Perowne 1868.
  Die Anschläge der Menschen gehen zugrunde wie das Kind, das zur Geburt kommt, und ist doch keine Kraft da zu gebären, oder wie die Frucht, die vom Wurm gestochen niederfällt, ehe sie reif ist. Schon während die Menschen, zumal die Fürsten, leben, können wir in unseren Hoffnungen bitter getäuscht werden dadurch, dass ihr Sinn sich ändert, ihre Gunst sich in Zorn oder Hass verwandelt; aber wenn der Tod kommt - und er kommt gewiss -, dann gehen auch ihre bestgemeinten Anschläge, auch die, welche darauf gerichtet waren, ihre Bundesgenossen, ihre Freunde und Günstlinge oder Anhänger zu befördern, zugrunde. Nath. Hardy † 1670.
  Beim Sterben wird der Mensch es inne, dass alle jene Gedanken, die nicht ihr letztes Ziel in Gott hatten, verloren sind. Alle weltlichen, eitlen Gedanken werden im Tode zunichte. Jener skythische Hauptmann, der für einen Trunk Wassers eine Festung übergeben hatte, rief aus: "Was hab ich verloren! Welchen Verrat habe ich begangen!" So wird es denen gehen, die all ihr Denken und Planen auf Dinge dieser Welt verschwendet haben. "Ich habe den Himmel verloren, ich habe meine Seele verraten und verkauft!" Th. Watson † 1690.
  Wie die Anschläge aller über weltliche Dinge zugrunde gehen, wenn der Tod naht, so werden auch die Anschläge, die Gedanken, Vorsätze und Hoffnungen mancher in Betreff der geistlichen und himmlischen Dinge jämmerlich zunichte werden. Wie viele haben Vorsätze gehabt, sich zu bekehren, ihr Leben zu bessern und sich zu Gott zu wenden, Vorsätze, deren Ausführung aber verhindert und abgebrochen wurde, sei es durch große Schmerzen und überhand nehmende Schwachheit auf dem Krankenbett, sei es durch den plötzlichen Sensenstreich des Todes, der über sie hereinbrach, als sie (wie sie meinten) "eben daran waren, sich zu bekehren", oder als sie, wie man auch wohl sagt, "ein neues Blatt anfangen" wollten in ihrem Lebensbuch. Eben da gab’s eine Wendung bei ihnen - aber ins Grab durch den Tod und in die ewige Pein durch den Zorn Gottes! Joseph Caryl † 1673.

V. 3.4. Sich auf den Menschen verlassen heißt nicht, sich auf einen Pfeiler stützen, sondern auf ein Häufchen Staub. Das Stolzeste am Menschen sind seine Gedankengebilde. In den Gedanken und Plänen seines Herzens erhebt er sich, mit ihnen bläst er sich auf, wenn in keinem anderen Stück. Aber siehe, auch die stolzesten Gedanken und Anschläge werden zugrunde gehen in dem Staube, zu dem er selber werden wird. Welch armseliger, zu Staub werdender Stolz! Wer wollte sich darauf stützen? Joh. P. Palanterius 1600.
V. 5. Der Gott Jakobs ist der allein wahre Gott, dem Jakob diente, aber Gott in seiner besonderen Beziehung zu seinen Auserwählten, zu seinem Volke. Er ist ja der Gott der ganzen Erde, aber in besonderer Weise der Gott. Israels. Es ist beachtenswert, dass Gott sich in seinen Offenbarungen an Israel nicht so oft den Gott Himmels und der Erde u. dergl. nennt, sondern den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Es besteht die innigste, wechselseitige Beziehung zwischen Gott und seinem Volke. Sie sind sein, und er ist ihr Teil. F. E. 1667.
  Dieser Vers bevollmächtigt uns, alles, was Jakobs Leben in der Verbannung, da niemand als Gott ihm helfen konnte, an Hilfe und Hoffnung aufweist, als Verheißung für alle Gläubigen in Anspruch zu nehmen. Simon de Muis † 1644.
V. 5.6. Der Gott Jakobs, der Himmel, Erde usw. gemacht hat. Es ist eine Eigentümlichkeit dieser letzten Psalmen, dass sie alle Missionscharakter haben, indem sie der Menschheit insgesamt den Gott Israels als den Schöpfer und Erhalter aller Dinge vorführen und sie durch das oft wiederholte Hallelujah auffordern, diesem Gott zu dienen. D. Christopher Wordsworth † 1885.
V. 6-9. Der HERR ist ein allmächtiger Gott, V. 6, ein treuer Gott, V. 6 Schluss, ein gerechter Gott, V. 7a, ein freigebiger Gott, V. 7b, ein barmherziger Gott, V. 7c- 9. J. J. St. Perowne 1868.
  Wer die Stücke, die in dem Psalm von der gnädigen Regierung Gottes und der Macht seines ewigen Königreichs gerühmt werden, etwas genauer erwägen mag, wird finden, dass sie teils in keines Menschen oder Fürsten Macht stehen, teils oft von Menschen und Fürsten zwar erwartet werden, aber vergeblich. Karl H. Rieger † 1791.
V. 6. Der Glauben hält ewiglich. Ach, wie oft vertrauen wir, wo wir zagen sollten, und zagen, wo wir vertrauen sollten! K. B. Moll 1884.
V. 7. Der die Hungrigen speist. Wir lernen hieraus, dass Gott gegen die Seinen nicht immer so zärtlich ist, dass er sie mit Überfluss überschüttet, sondern dass er ihnen zuzeiten seine Wohltaten entzieht und sie wohl bis zum Hunger kommen lässt, aber dann ihnen zu Hilfe eilt. Hätte der Psalmist gesagt, dass Gott die Seinigen mit Überfluss sättige und überlade, würden dann nicht etliche von denen, die in Mangel sind und Hunger leiden, alsbald verzweifelt sein? Jean Calvin † 1564.
V. 7-9. Der HERR. Mit V. 7 c beginnt eine Reihe von Aussagen über Jahves gnädige Hilfe. Fünfmal steht "Jahve" nachdrucksvoll an der Spitze des Satzes, um anzudeuten, dass nur er, nicht die Fürsten, V. 3, solches zu leisten vermögen. Prof. D. Fr. Bäthgen 1904.
  Es dient zur Ehre Jehovahs ebenso sehr, dass er den Elenden herrlich hilft, wie dass er "daherfährt in der Himmel Himmeln" (Ps. 68,34). Mt. Henry † 1714.
V. 8. Die Blinden. Die große Zahl von Blinden, die sich durch die Straßen von Kairo und Alexandrien tastend ihren Weg suchen, ist vielen Reisenden aufgefallen. Der berühmte französische Schriftsteller Volney berichtet sogar (1787): "Wenn ich durch die Straßen von Kairo wandelte, waren von hundert Leuten, denen ich begegnete, manchmal zwanzig blind, achtzehn einäugig, und zwanzig andere hatten rote oder eitrige oder mit Flecken behaftete Augen. Fast jeder trägt einen Verband, was anzeigt, dass er an Augenentzündung gelitten hat oder noch leidet." Die Augenentzündungen sind in der Tat, wie ja alle Ärzte wissen und 1791 das französische Heer genugsam erfuhr, eine furchtbare Plage Ägyptens. Blinde gibt es aber überhaupt in den heißen Ländern des Ostens viele, und es nimmt daher niemand, der mit den Verhältnissen vertraut ist, wunder, dass die Blinden in der evangelischen Geschichte und auch sonst in der Schrift so oft erwähnt werden. Felix Bovet 1882.
V. 9. Der HERR behütet die Fremdlinge: die, welche nicht Babel angehören noch dieser Welt, sondern die wahren Pilger in fremdem Lande. Kardinal R. Bellarmin † 1621.
  Fremde, die unter Israel sich ansässig machten, genossen sozusagen die öffentliche Gastfreundschaft. Sie wurden vom Gesetz der Humanität Israels empfohlen, und zwar mit zwiefacher Begründung: 1) Der HERR, euer Gott, achtet keine Person, er hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speie und Kleider gebe; darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben (5. Mose 10,17-19), und 2): Ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland (ebenda V. 19 und 2. Mose 22,20). Siehe auch Jer. 7,6; Hes. 22,7; Sach. 7,10; Mal. 3,5 . Sie wurden aber auch noch besonders zur Teilnahme an gewissen, den Armen vorbehaltenen Rechten zugelassen, so zum Mitgenuss der Fest- und Zehntmahlzeiten, der Nachlese in Weinbergen und auf Feldern und der Ernte im Jubeljahr (3. Mose 19,9 f.; 5. Mose 24,17-22; 14,28; 16,10 ff. Vor Gericht hatten sie mit den Israeliten gleiche Rechte (3. Mose 24,22; 4. Mose 15,15 f.), und die Freistätten für unvorsätzlichen Totschlag waren ihnen offen (4. Mose 35,15). Sie lebten ohne Verpflichtung zur Übernahme der Beschneidung als Beisassen unter dem Volk, sogar nicht ausgeschlossen von dem Recht des Opfers und Gebetes am Heiligtum (4. Mose 15,14 ff.; 1.Kön. 8,41-43). Die religiösen Verpflichtungen, denen sie unterworfen waren - die Heilighaltung des Sabbats, die Enthaltung vom Sauerteig in der Osterwoche, vom Molochsopfer, von Lästerung des Namens Jehovahs und vom Blutgenuss (2. Mose 20,10; 12,19; 3. Mose 20,2; 24,16; 17,10.12 f.) - waren nur Sicherstellung des Volkes gegen jede Entweihung und Störung seiner heiligen Sitten. So mussten sie sich also in das Hausrecht fügen; aber irgendeine Nötigung zum Eintritt in den Bund und das Bundesvolk kennt das Gesetz nicht, enthält auch keine Aufforderung zu besonderen menschlichen Bemühungen in dieser Hinsicht. Vielmehr rechnet das Gesetz darauf, dass auch ohne das die herrlichen Gottesordnungen und die mächtigen Erweisungen des Heiligen in Israel von selbst empfängliche Gemüter mächtig anziehen und in ihnen das Verlangen nach voller Anteilnahme an den Bundessegnungen erwecken würden. (5. Mose 4,6 ff.; 1.Kön. 8,41 ff.; Ps. 147,19 f.) - Nach Adolf Kinzler 1871.
  Und erhält Waisen und Witwen. Vergl. dazu 2. Mose 22,21-23; 3. Mose 22,13; 5. Mose 14,28 ; 26,12 f.; 16,11; 10,18; 24,17-22; 27,19; Spr. 15,25; 23,10; Jes. 1,17.23; 10,1 f.; Jer. 7,6; 22,3; Sach. 7,10; Mt. 23,14; 1.Kön. 17,8 ff.; Lk. 7,12; Apg. 6,1 ff.; 1.Tim. 5,3 ff.; Ps. 10,14.18; 68,6 usw. - J. M.
  Und kehrt zurück den Weg der Gottlosen. Wie wenn ein Töpfer Kunst, Zeit und Mühe auf ein Gefäß verwendet hat und in dem Augenblick, da es beinahe fertig ist, ein anderer, der dabeisteht, dem Gefäß einen Stoß versetzt und es zu Schanden macht, so kann Gott, der den Gottlosen bei ihren Plänen und ihrer Mühe, diese auszuführen, zusieht, mit einer kleinen Berührung, ja mit einem Hauch seines Zornes ihnen alles zerbrechen und vereiteln. Phil. Edlin 1656.
  Eine grelle Beleuchtung der Torheit derer, die Gott bei ihren Lebensplänen nicht in Rechnung nehmen, gibt der Lebenslauf von William M. Tweed , dessen Tod kürzlich berichtet wurde. Er war ein Mann, der nach Reichtum und Macht trachtete, und der für eine Zeit lang in diesem Streben erfolgreich zu sein schien. Ganz offenbar nahm er sich nicht vor, Gott zu gehorchen oder ein irdisches Leben als Vorbereitung für das zukünftige zu gestalten. Was er wollte, war irdisches Wohlergehen. Er meinte, er habe es erreicht. Er wurde in die Nationalversammlung gewählt. Er häufte Millionen auf. Die materiellen Interessen der Hauptstadt seines Vaterlandes lagen in seiner Hand. Er bot beim Verfolgen seiner Ziele unverhohlen der öffentlichen Meinung und den Gerichten Trotz. Er war ein glänzendes und darum sehr gefährliches Beispiel erfolgreicher Schurkerei. Aber die Verheißung von Segen auch in diesem gegenwärtigen Leben ist nur den Gottseligen gegeben. Als William Tweed in einem Gefängnisse der Stadt, die er einst beherrscht. hatte, im Sterben lag, da war sein Bekenntnis voll bitterer Enttäuschung: "Mein Leben ist in jeder Beziehung ein verfehltes gewesen. Es ist nichts übrig, worauf ich stolz sein könnte." Wenn ein junger Mann zu einem solchen Ende kommen will, dann ist der Weg dazu einfach und deutlich. American Sunday School Times 1878.

Homiletische Winke

V. 1. 1) Eine Ermahnung, auch an uns gerichtet: Hallelujah, d. i. Lobet den HERRN! 2) Ein Vorbild: der Psalmist ruft sich selber zu: Lobe den HERRN! 3) Möge beides in uns das Echo wecken: Lobe den HERRN, meine Seele!
  Wen, warum, wann und wie soll ich loben?
  Die Anbetung Gottes in der Gemeine. 1) Sie sollte mit einem Gefühl der Zusammengehörigkeit des Volkes Gottes, mit Freude an dem gemeinsamen Lobpreis verbunden sein. Lobet den HERRN! 2) Sie sollte nie ihr Persönliches verlieren. Gott wird nur von den einzelnen Herzen gepriesen. Gefahr des Abschweifens der Gedanken beim öffentlichen Gottesdienst. Lobe, meine Seele! 3) Sie sollte von dem Bewusstsein der Nähe Gottes durchdrungen sein. Jeder Einzelne und alle miteinander sollten den HERRN allein anbeten. W. B. Haynes 1885.
V. 2. Ein seliges Werk für jetzt und hernach. 1) Solange ich lebe: eine Zeit von ungewisser Dauer, die manches Geheimnis birgt. 2) Ich will den HERRN loben : ein zeitlich begrenztes, bestimmtes, auf heiliger Verpflichtung beruhendes, köstliches Werk, das dem Leben bei aller Ungewissheit, die die Zukunft birgt, ein bestimmtes Ziel gibt. 3) Solange ich bin (Grundt.): eine begeisterte Vorverpflichtung für die Ewigkeit. W. B. Haynes 1885.
V. 3. Verlasset euch nicht auf Fürsten. 1) Es raubt Gott die Ehre. 2) Es entehrt euch selber. 3) Es enttäuscht in jedem Fall.
V. 4. Die ernsten Mahnungen des Todes.
V. 4b. Die traurige Geschichte vom Ende all der hochfahrenden Anschläge der Menschen.
V. 5. Wahre Glückseligkeit 1) Was ist sie nicht? Müßiggang und Genuss. Der Mann, von dem hier die Rede ist, hat Arbeit und Kampf, denn er hat Hilfe nötig; und er hat nicht alles, was er begehrt, denn er ist ein Mann der Hoffnung 2) Was ist sie? Sie liegt a) in dem, was er hat (den Gott Jakobs), b) in der Hilfe, die ihm zuteil wird, und c) in der Hoffnung, die er hegt, und diese beiden hat er in Gott.
V. 6.7. Der Gott, auf dem unsre Hoffnung steht, ist 1) der Schöpfer, 2) der Glauben Haltende, 3) der Anwalt, 4) der Versorger, 5) der Befreier.
V. 7. Volksrechte. 1) Drei Rechte der Humanität: Gerechtigkeit, Brot und Freiheit. 2) Gottes Eingreifen, um diese Rechte zur Geltung zu bringen. Weltumgestaltungen durch gewaltsame Umwälzungen (Revolutionen), reinigende Umänderungen (Reformationen) und die Wiedergeburt. Der Kampf Christi mit dem Satan. 3) Die herrliche Vereinigung dieser drei Wohltaten in dem Reiche Christi. 4) Wer sind die Leute, die dieser Wohltaten teilhaftig werden sollen? W. B. Haynes 1885.
V. 8a. Geistliche Blindheit, ihr Elend, ihre Ursachen und ihre Heilung.
V. 8b. Was für Leute sollen aufgerichtet werden? Wer tut es? Wie tut er es? Und was dann?
V. 8c. Gottes Liebe gegen die Gerechten. 1) Er hat sie zu Gerechten gemacht. 2) Sie sind ihm ähnlich. 3) Sie lieben ihn. 4) Ihr Wille ist eins mit dem seinen.
V. 9a. Beachten wir, wie Gott im Gesetz Israels für die Fremdlinge Vorsorge getroffen hat, ferner, wie Gott sich je und je der Fremdlinge angenommen hat, sodann die Wahrheit, dass seine Auserwählten in der Welt Fremdlinge sind, und den Ratschluss Gottes, zuletzt diese Fremdlinge zusammen zu bringen.
V. 9b. Das Anspruchsrecht der Waisen und Witwen an Gottes Volk.
V. 10. 1) Ein Grund zum Lobpreis: das ewige Königtum des HERRN. 2) Ein Mittelpunkt des Lobpreises: Zion. 3) Eine Kette des Lobpreises: durch alle Geschlechter (wörtl.). 4) Ein Aufruf zum Lobpreis: Hallelujah!

Fußnoten

1. Das "hier" ("weil ich hier bin") ist von Luther eingefügt. Allerdings denkt der Psalmist zunächst an sein irdisches Leben und hat wohl nicht so in den offenen Himmel geschaut, wie Spurgeon die Worte, sie ins Neutestamentliche übersetzend, auslegt. Immerhin ist gerade die unbestimmte Fassung des Ausdrucks bei dem Dichter (ohne ein beschränkendes "hier") bedeutsam. Man vergl. Ps. 145,1.2 und dazu die Erläuterungen und Kernworte, S. 467 f.

2. Die Worte "alles, was darinnen ist" sind übrigens auf Himmel, Erde und Meer zu beziehen; es steht im Hebr. die Mehrzahl: "alles, was in ihnen ist". - J. M.